Brasilien - UNESP, Botucatu
Praktikumsbericht
Die UNESP als eine der grössten Universitäten Lateinamerikas empfängt jährlich viele internationale Studierende und ist somit geübt in deren Abfertigung. So wurde auch ich sehr herzlich empfangen. Meine Unterkunft war eine sogenannte “Republica”, was in Deutschland einer Art grossen Wohngemeinschaft oder Studentenverbindung gleich kommt. Zusammen mit sieben brasilianischen und zwei französischen Studierenden lebte ich dort ein fröhliches Studentenleben. Bei vielen Aktivitäten, wie dem Besuch von Wasserfällen an Wochenenden oder gemeinsamen Grillabenden wurde viel gelacht, gesungen, getanzt und sich durch zahlreiche Gespräche und Diskussionen im Portugiesischen geübt.
Während meines Praktikums im Labor für Anatomie von Gehölzen bei Prof. Dr. Carmen Regina Marcati erlernte ich in den ersten beiden Wochen zahlreiche Techniken, die speziell in diesem Forschungsbereich an der Tagesordnung stehen. Dazu zählen unter anderem die Anfertigung von feinen Schnitten mithilfe eines Mikrotoms, die anschliessend genutzt wurden um Dauerpräparate von verschiedenen verholzenden Pflanzenarten des Cerrado (Brasilianische Savanne) herzustellen. Ausserdem wurden kleine Proben von Gehölzen in einem Mazerationsverfahren aufgelöst um anschliessend einzelne Zelltypen quantitativ analysieren zu können. Zum Alltag gehörte auch der sichere Umgang mit einem hochwertigen Fotomikroskop, mithilfe dessen alle Präparate analysiert und dokumentiert wurden.
Nach dem Erlernen der grundlegenden Techniken wurde mir ein eigenes kleines Projekt anvertraut. Dabei sollte ich aus früheren Doktorarbeiten bereits vorhandene Dauerpräparate von der Spezies Aegiphila verticillata von zwei unterschiedlichen Standorten hinsichtlich ihrer Unterschiede in der zellulären Zusammensetzung des Holzes untersuchen. Dafür erlernte ich den Umgang mit dem Programm Adobe Photoshop und mit einem Grafiktablett.
Insgesamt habe ich viele neue Techniken und Methoden kennengelernt, eine neue Sprache erlernt und viele wunderbare Menschen getroffen und Freundschaften fürs Leben geschlossen. Ich kann jedem nur empfehlen die Gelegenheit zu ergreifen, während des Studiums einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren, denn es ist eine in vielerlei Hinsicht bereichernde Erfahrung, die man niemals vergessen und an die man sich immer gerne zurückerinnern wird.