Brasilien - UNICAMP
Ich absolvierte mein Praktikum vom 01.08.2013 bis 30.09.2013 an der Universität (UNICAMP) in Campinas. Die Stadt hat etwa 2 Mio. Einwohner und liegt etwa 100 km nördlich der Stadt Sao Paulo.
Was mich bereits am Anfang beunruhigte, war, dass ich an meinem Abreisetag immer noch keine Informationen zu meiner Unterkunft und ob mich jemand vom Flughafen abholt, erhielt. Erst als ich in New York umstieg, wurden mir die Informationen via Mail zugeschickt. Nebenbei: Die Bestätigung für mein Praktikum erhielt ich erst drei Wochen zuvor und das nach mehrmaligen Nachfragen. Dementsprechend war meine Aufregung auf diese Reise immens.
Am Flughafen in Sao Paulo wartete ein IAESTE-Mitglied auf mich. Er brachte mich zum Bus- Terminal und half mir, ein Ticket zu kaufen. Ich fuhr mit einem Bus zum Terminal in Campinas. Mir wurde vorher versichert, dass jemand mich dort abholen würde und zu meiner Unterkunft bringt. Leider vergeblich... Nach ca. 20 min Wartezeit musste ich selber handeln. Es gab dort zum Glück eine Touristen-Information und die äußerst hilfsbereite Mitarbeiterin hatte alle möglichen Leute angerufen, von denen ich die Nummer hatte. Leider erfolglos. Am Ende musste ich mir dann ein Taxi nach Barao de Geraldo (So heißt der Bezirk in Campinas, in dem ich wohnte) nehmen.
Das Abenteuer ging aber weiter. Die angegebene Adresse wurde mir fälschlicherweise zugewiesen! Ich sollte da eigentlich gar nicht wohnen, weshalb die Studenten in dem Haus berechtigterweise sehr überrascht über meine Ankunft waren. Aber die Bewohner waren so lieb und hilfsbereit, sodass sie mich für ein paar Tage aufnahmen. Später schickte mir die Organisation die richtige Adresse zu und ich konnte nach 2 Tagen umziehen. Also organisationstechnisch muss noch etwas daran gearbeitet werden...
Mein neues Zuhause war ein sehr großes Haus. Die Studentenhäuser werden als „Republica“ bezeichnet. Es lebten mit mir zehn weitere Mädels. Neun Studentinnen und eine Doktorandin. In der Regel teilen sich jeweils zwei Personen ein Zimmer. Privatsphäre war dadurch kaum vorhanden.
Mein Praktikumsplatz war an der Universidade Estadual de Campinas (kurz: UNICAMP). Ich sollte Proteine aufreinigen und mit Hilfe von NMR- Spektroskopie die 3D-Struktur ermitteln. Die Schritte für eine Proteinaufreinigung kannte ich bereits durch diverse Prakika in Deutschland. Der andere Teil war mir neu, weshalb ich mich für diese Stelle entschied. Mein Professor, der Chemie lehrte, hatte mich sehr herzlich empfangen und zeigte mir die Labore. In seinem Forschungsprojekt geht es um eine Krankheit namens „Schistosomiasis“, was eine Wurmkrankheit ist. Sein Ziel ist die Bekämpfung dieser Krankheit, die in Brasilien sehr weit verbreitet ist. Jedoch ist nicht viel über diese Krankheit bekannt und Impfungen dagegen bisher noch nicht vorhanden. Auf Arbeit habe ich zudem sehr viele liebe Menschen kennengelernt.
Allgemein ist die brasilianische Kultur durch Gastfreundlichkeit und Offenheit gekennzeichnet. Ich erfuhr glücklicherweise eine sehr große Hilfsbereitschaft von vielen Brasilianern bei manchen Problemen, die ich vor allem am Anfang hatte. Die Begrüßung erfolgt normalerweise mit Küsschen auf der Wange und mit Umarmungen. Was mir noch ganz deutlich aufgefallen ist, ist die Unpünktlichkeit der Brasilianer! Wie oft ich lange auf jemanden warten musste ...
Der Campus der Universität gefiel mir sehr. Die meisten Institute sind auf einem Campus konzentriert, sodass Studenten aus verschiedenen Studiengängen aufeinander treffen – von Chemie zu Literatur bis hin zu Sport.
Wenn der Magen zur Mittagszeit knurrte, stürmten die Studenten in die riesige Mensa, auch als „Bandejao“ bekannt. Die Schlange war immer unglaublich lang, aber das Servieren ging glücklicherweise auch recht zügig.
Das Essen in Brasilien schmeckte mir sehr gut. Die Brasilianer lieben vor allem Fleisch, Reis und Bohnen. Das brasilianische Barbecue heißt „Churrasco“ und ist sehr beliebt bei Home-Parties. Weitere tolle kulinarische Sachen zum Probieren sind z.B. „Caju“, „Acai“., „Pastel“, „Coxinha“, „Pao de Queijo“, „Mate“ Tee, „Brigadeiros“ und „Feijoada“ und brasilianischen Café ;)
Übrigens ist es von großem Vorteil, vor der Reise einen Portugiesisch-Kurs zu besuchen. Nicht alle Studenten konnten gut Englisch sprechen (meistens konnten es eher die Literatur-Studenten). Auch außerhalb der Uni findet man kaum Leute mit Englischkenntnissen.
Zwischendurch hatte in an den Wochenenden Zeit zu reisen. Ich besuchte Städte wie Rio de Janeiro, Sao Paulo, Jundiaí oder Matao.
Alles in Allem kann ich nach zwei Monaten sagen, dass mir das Praktikum sehr viel Spaß gemacht hat. Kulturell hat es mich am meisten beeindruckt. Ich habe viele neue Freundschaften schließen können, die ich beim nächsten Brasilien-Besuch wiedersehen möchte.
Da es in diesen 2 Monaten kein IAESTE Treffen in Campinas gab, konnte ich dadurch keine Incomer kennenlernen und war sehr viel mit Brasilianern unterwegs gewesen - sogar bei deren Familien zu Hause. Ich lernte die Kultur dadurch besser kennen. Außerdem wird geraten, nicht auf öffentlichen Straßen mit teuren Handys, viel Geld, großer Tasche o.Ä. rumzulaufen, weil Diebstähle öfters vorkommen. Mir blieb es zum Glück erspart.
Die Kluft zwischen arm und reich war dort sehr breit und ich empfand Brasilien als ein recht teures Land. Zum Beispiel ist Schokolade viel teurer als in Deutschland. Falls ihr Gastgeschenke mitbringen wollt, empfehle ich zum Beispiel Süßigkeiten und deutsches Bier ;)