Brasilien - Universidade Estadual Paulista Bauru
IAESTE -Praktikum an der Universidade Estadual Paulista Bauru- SP/Brasilien 08/09.2012
Im vergangenen August und September habe ich an der Universidade Estadual Paulista (UNESP) in Bauru im Bundesstaat Sao Paulo in Brasilien ein naturwissenschaftliches Praktikum absolviert, welches mir durch IAESTE vermittelt worden ist.
Die Organisation leitete für mich meine Bewerbungsunterlagen an die Universität in Brasilien weiter und stellte, nachdem ich eine Zusage erhalten hatte, den Kontakt mit dem vor Ort für mich zuständigen Professor her. Zudem regelte die lokale Partnerorganisation nach Übermittlung meiner Flugdaten meine Abholung vom Flughafen durch eines ihrer Mitglieder und vermittelte mir eine Unterkunft für die Dauer meines Aufenthaltes. Während der zwei Monate wohnte ich zur Untermiete bei einer 19-jährigen Schülerin in einem Einzimmerapartment in einem mehrstöckigen Wohnhaus. Die Wohnung befand sich in zentraler Lage in der Stadt Bauru jedoch relativ weit entfernt von der Universität. Meine Mitbewohnerin sprach kaum English, was jedoch kein Problem war, da ich Portugiesisch spreche und wir so kommunizieren konnten.
Mein Praktikum absolvierte ich an der technischen Fakultät für Zivilbauwesen (engenharia civil). Dort durfte ich mit an einem Projekt zur Bewertung eines Abwasserreinigungssystems arbeiten. Das System war vor wenigen Jahren auf dem Gelände der Universität errichtet worden und beruht auf der Reinigung von Abwässern durch die Verwendung verschiedener Filtersysteme aus Sedimentschichten und der Beseitigung anorganischer Komponenten durch Chrysopogon zizanioides, eine aus dem tropischen Asien stammende Pflanze aus der Familie der Süßgräser.
Während meiner Praktikumszeit entnahm ich wöchentlich Proben an verschiedenen Stellen der Reinigungsanlage und analysierte die erhaltenen Proben auf Bakteriengehalt und den Gehalt an verschiedenen anorganischen Komponenten wie Chlor und Stickstoff. Zudem bestimmte ich den pH der Proben. Um zusätzlich die Auswirkungen einer Chlorzugabe im letzten Reinigungsschritt auf den Bakteriengehalt des Wassers zu untersuchen, fügte ich in regelmäßigen Abständen Chlor im finalen Auffangbecken der Anlage dem Wasser hinzu und untersuchte vergleichend Bakteriendichten vor und nach diesem Wasserreservoir. Die Analysen der Proben erfolgten in einem Labor für Wasseranalysen, das sich auf dem Gelände der Universität befand. Durch das Laborpersonal erhielt ich eine Einweisung in die Analyseverfahren und die verwendeten Geräte. Zudem bekam ich von meinem Professor und einer Studentin, die im Rahmen ihrer Masterarbeit mit an dem Projekt beteiligt war, einen Überblick über die theoretischen Hintergründe der Arbeit. Nachdem ich eingearbeitet worden war, konnte ich in der folgenden Zeit eigenständig die Analysen durchführen. Ich empfand diese Selbstständigkeit, die mir zugesprochen wurde, als sehr angenehm. Die Ergebnisse lieferte ich wöchentlich beim betreuenden Professor ab. Dieser stand zudem immer zur Verfügung, falls sich Fragen ergaben. Da ich neben der praktischen Arbeit im Labor auch gerne noch ein wenig mehr Hintergrundwissen zu dem Arbeitsfeld gewinnen wollte, durfte ich auf Nachfrage auch einige Vorlesungen der Fakultät besuchen. Darum musste ich mich jedoch eigenständig kümmern.
Während der gesamten Praktikumszeit war die gesprochene Sprache ausschließlich Portugiesisch. In Ausnahmefällen, in denen auf Englisch zum besseren Verständnis zurückgegriffen werden musste, wurde mir auch schnell klar, dass nicht alle Labormitarbeiter diese Sprache gut beherrschten.
Da ich zunächst keine Lehrveranstaltungen an der Universität besuchte, hatte ich anfangs ein paar Schwierigkeiten, Kontakt zu Gleichaltrigen zu bekommen. In den ersten Tagen hielt ich mich daher an meine Mitbewohnerin und besuchte ein paar Mal ihre Schule. Meiner Meinung nach wäre ein Start in der neuen Umgebung leichter gewesen, wenn ich bei einer Person meines Alters oder einer Familie untergebracht worden wäre. Ein Praktikum an der Universität hätte auch das Besuchen einer begleitenden Lehrveranstaltung beinhaltet können, um Kontakt zu anderen Studenten zu haben. Nach der ersten Zeit fand ich dann über Sportvereine und Bekanntschaften auf dem Campus schnell Anschluss. In der Endphase meines Aufenthaltes wurde auch von Seiten der Austauschorganisation Treffen mit anderen internationalen Studenten angeboten. Ich suchte jedoch eher Kontakt zu Brasilianern, um mein Portugiesisch verbessern zu können sowie einen Eindruck von der Kultur des Landes zu bekommen. Zudem neigte sich mein Aufenthalt zu diesem Zeitpunkt schon dem Ende zu, sodass ich an diesen Treffen nicht mehr teilnahm.
Alles in Allem empfand ich die Leute vor Ort als sehr freundlich und offen und würde meine Betreuung an der Universität als sehr aufmerksam und hilfsbereit beschreiben. Durch ein wenig Eigeninitiative war es mir möglich meine Arbeit dort nach meinen Vorstellungen durchzuführen. Obwohl die Laborausstattung hinter den Standards an meiner Heimatuniversität zurück lag, konnte ich dennoch neues Wissen über wissenschaftliches Arbeiten im Labor gewinnen. Ich würde die Praktikumsstelle durchaus an zukünftige Studenten weiter empfehlen, die ein Interesse daran haben, die wissenschaftliche Arbeit an einer brasilianischen Universität kennen zu lernen. Das Beherrschen der Portugiesischen Sprache würde ich hierbei als sehr hilfreich ansehen.