Brasilien - Universdade Estadual Paulista Julio de Mesquita Filho
Ich bin Undine Meckel und habe vom 1. September bis 30. Oktober 2011 ein Praktikum an der brasilianischen Universdade Estadual Paulista Julio de Mesquita Filho in Jaboticabal und dort am Institut für Melioration (landwirtschaftliche Bodenkunde). Während der Bewerbungsphase für das Praktikum befand ich mich gerade beim Schreiben meiner Abschlussarbeit für mein Bachelorstudium an der Universität Potsdam im Fach Geoökologie. Kurz bevor es dann nach Brasilien ging habe ich mich an der TU Berlin für den Master beworben und mich dort auch eingeschrieben. Dadurch waren die Wochen vor dem Praktikum ziemlich hektisch. Aber letztlich ging alles gut, auch dass ich erst etwas zu spät mein Masterstudium anfangen konnte.
Schon während dieser Zeit hatte ich Kontakt zu meiner Professorin in Brasilien, zu der Studentin bei der ich wohnen würde und zu IAESTE Brasilien. Dadurch wusste ich, dass man mich am Flughafen in Sao Paulo abholen und zum Busbahnhof für meine Weiterfahrt nach Jaboticabal bringen würde. Dies lief auch alles gut und während meiner Reise lernte ich auch gleich noch einen anderen deutschen Praktikanten kennen. In Sao Paulo wurden wir beide herzlich (wenn auch alle etwas müde waren, da es 5 Uhr früh war) empfangen. Auf dem Busbahnhof hat mir die Studentin dann noch geholfen ein Busticket zu kaufen, so wie etwas zum Essen, und sie zeigte mir noch wo mein Bus dann drei Stunden später abfahren würde. Danach musste sie aber gehen, weil der andere Praktikant ebenfalls noch zu seiner Unterkunft in der Nähe von Sao Paulo gebracht werden musste. Vorher informierte sie allerdings noch meine Gastgeberin in Jaboticabal, wann ich etwa dort ankommen würde und sie mich von dort abholen kann. Nach ca. 6 Stunden Busfahrt kam ich dann in Jaboticabal, wo Andrea schon auf mich wartete. In meiner Unterkunft angekommen tranken wir auch erst einmal Kaffee und ich lernte die anderen Mitbewohner kennen.
Ich lebte dort in einer „Republica“ zusammen mit 5 anderen brasilianischen Studenten (4 Mädchen, 1 Junge). Ich teilte mein Zimmer mit 2 der Mädchen. Alle waren / sind sehr freundlich und hilfsbereit und wir haben uns trotz des Altersunterschiedes (alle waren zwischen 5 und 13 Jahre älter als ich) super gut verstanden. So habe ich ihnen geholfen Englisch zu lernen und sie mir Portugiesisch beigebracht, wofür wir uns fast jeden Abend im Gemeinschaftsraum getroffen haben (was jedes Mal sehr spaßig war und wir dabei über unsere “Sprachkünste” viel gelacht haben). An den Wochenenden sind wir öfters ausgegangen oder ich habe mit Ihnen Ausflüge in ihre Heimatstädte zu ihren Familien gemacht, wodurch ich das Glück hatte Sao Paulo, Goiania, Brasilia, Ribereiro Preto und Guaria kennenzulernen.
Jaboticabal selbst ist eine relativ kleine Stadt mit vielen Studenten. Und es gibt dort viele so genannte "Republicas" (Brasilianischer Namen für eine Studenten-WG), wo normalerweise 4-6 Studenten in einem kleinen Haus zusammen leben. Da es viele Studenten in der Stadt gibt, fanden auch zahlreiche Partys statt und es war sehr einfach neue Leute kennenzulernen. Weil es eine kleine Stadt ist konnte man tagsüber auch allein zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sein. Abends wurde mir empfohlen möglichst nicht allein wegzugehen, weil es ab und an zu Überfällen kommt. Mir selbst ist während der zeit in Brasilien aber nie etwas passiert. Die meisten der Studenten sprechen ein wenig Englisch. Aber im Allgemeinen ist es einfacher, wenn man portugiesisch kann, anderen falls ist man gezwungen es vor Ort ein wenig zu lernen :), da die meisten normalen Leute (wie in Geschäften, Nachbarn) kein Englisch sprechen (höchstens Spanisch).
Die Universität war sehr groß und zu dem Gelände gehören auch frei nutzbare Sportplätze und ein Schwimmbecken. Während meines Praktikums habe ich nicht an einem speziellem Projekt gearbeitet. Ich glaube, mein Professorin hatte keinen richtigen "Arbeitsplan", was ich während dieser Zeit zu tun habe. Deshalb war es mehr oder weniger spontan und entschied sich von Woche zu Woche, wobei ich auch selbst Vorschläge machen konnte. Am Ende war ich an mehreren Seminaren / Workshops über nachhaltige Landwirtschaft (insbesondere über Anbau von Zuckerrohr), Workshop über ArcGIS 10 und dem GIS-Tool SWAT beteiligt und ich half bei der Literaturrecherche über nachhaltige Landwirtschaft und den Einfluss dessen auf die Wasserqualität und das Erosionsrisiko. Außerdem war ich mit einer Forschungsgruppe von der Uberlandia Universität im Araguaia Nationalpark. Wo ich mit Ihnen eine Woche in einem Camp lebte und Ihnen bei der Forschungsarbeit (über Amazonasschildkröte, Alligatoren, Wildgänse) zusehen und helfen konnte.
Insgesamt habe ich viel gelernt über die aktuellen Umweltprobleme durch die Produktion von Zuckerrohr und was / wie sie versuchen dies zu ändern bzw. wie der aktuelle Entwicklungsstand in Brasilien ist. Bezüglich meines Studiums habe ich allerdings eher wenig fachlich dazugelernt. Meiner Professorin war dies wohl auch bewusst und hatte deshalb wohl auch ein schlechtes Gewissen (und weil sie i.d.R. Sehr beschäftigt und wenig Zeit für mich hatte). Ich denke, dass man evtl, auch schon vorher via Emailkontakt darüber mit seinem zuständigen Betreuer reden sollte, wenn es bspw. aufgrund der Anerkennung an der Hochschule wichtig ist ein inhaltlich klares Praktikum zu machen. Die Beschreibung auf der O-Form entsprach jedenfalls nur entfernt meinem tatsächlichen Praktikumsinhalt.
Das brasilianische IAESTE-Komitee bot nur zwei Exkursionen während der zwei Monate Praktikum an, die zu teuer waren, wenn man nur das Praktikantengehalt zur Verfügung hat. Deswegen war ich nicht an diesen beteiligt und kann demnach nichts weiter dazu sagen. In Jaboticabal selbst gab es kein „Lokalkomitee“ und ich war zu dieser Zeit auch die einzige IAESTE Praktikantin in Jaboticabal.
Alles in allem kann ich ein Praktikum in Brasilien aber nur empfehlen, weil die Menschen sehr hilfsbereit und freundlich sind. Ich habe jedenfalls keine gegenteilige Erfahrung gemacht. Und es lohnt sich immer eine andere Lebensweise kennenzulernen!