Kanada - Department of Mining Engineering - McGill Universität, Montreal

 

 

Arbeit:

Ich habe mein IAESTE Praktikum im Jahre 2015 im Department of Mining engineering an der McGill Universität in Montreal, Kanada absolviert. Die Praktikumsdauer betrug drei Monate von Anfang Juni bis Ende August. Die Arbeitsgruppe, in der ich war hat sich mit dem Geothermalen Energiepotenzial in aktiven Untergrundminen beschäftig. Da Kanada reich an Bodenschätzen ist existieren vielen unterschiedliche Minen. Einige reichen tief in das Erdinnere wo deutlich höhere Temperaturen herrschen. Ziel der Arbeitsgruppe war es, das in den Minen zirkulierende warme Wasser an die Oberfläche zu pumpen und für die Beheizung der Minengebäude bzw. umliegende Dörfer zu nutzen. Dadurch sollen sowohl die immensen Stromkosten als auch der ökologische Fußabdruck der Minen gesenkt werden. Um die Arbeit besser koordinieren zu können und um einen Überblick bekommen übergab man mir die Aufgabe eine Datenbank aller potenziellen kanadischen Minen zu erstellen. Die Aufgabe war zum größten Teil mit Internetrecherche verbunden. Es galt Fakten wie Lebenszeit, Tiefe, Standort, Abbaumethode, Geologie, Wassertemperatur, - qualität und - abfluss herauszufinden und zu einer gut organisierten Übersicht zusammenzustellen. Auf der Arbeit wurde große Selbstständigkeit erwartet. Man bekommt eine Aufgabe und sollte sich dann möglichst selbst einen Plan zurechtlegen wie man sie lösen kann. Offizielle Arbeitszeiten waren 37,5 h pro Woche von 9 bis 17 Uhr. Allerdings blieb es bei weitem mir überlassen von wann bis wann ich im Büro war, solange die Arbeitszeit eingehalten wurde. Die Kollegen in meiner Arbeitsgruppe waren hauptsächlich Iraner dazu ein Brasilianer, ein Ägypter und schlussendlich doch ein Kanadier. Kanada ist das Land der Immigranten und man muss oft genauer suchen wenn man jemanden finden will der auch wirklich schon immer in Kanada gelebt hat. Daher herrscht in diesem Land ein unglaublich lockeres Klima. Jeder wird akzeptiert und toleriert, egal welche Religion, welche Hautfarbe, ob mit Tattoos oder ohne. In welchem anderen Land wurde schon einmal jemand von einer Bankmitarbeiterin mit Septum beraten. Zumindest in den meisten europäischen Ländern ist sowas undenkbar.

Betreuung:

Die Betreuung durch IAESTE Kanada ist nicht so wie man es in den meisten Ländern kennt und offen gesagt auch erwartet. Zwar erhält man zu Anfang viele hilfreiche Dokumente und über Email sind die Mitarbeiter auch immer sofort zur Stelle wenn man Fragen hat, doch sollte man keine Unterstützung bei der Wohnungssuche oder bei der Anreise erwarten. Kanada ist riesig und nimmt nur um die 20 Praktikanten auf, die sich über das ganze Land verteilen. So etwas wie ein Lokalkommitee gibt es daher nicht. Bei Dingen wie zum Beispiel Kontoeröffnungen und Telefonkarte haben mir meine Kollegen geholfen und mein Zimmer in einer 4er-WG habe ich mir über viele Ecken und einige Facebook-Kontakte selber organisiert. Allerdings ist es gerade in den Sommermonaten auch leicht Wohnungen zu finden, da viele Studenten nach Hause oder in den Urlaub fahren. Ein guter Ausgangspunkt für die Suche nach Wohnungen, Fahrrädern und allem was man sonst so braucht ist die Webseite „kijiji.ca“. Auch freizeitlich gibt es von IAESTE Kanada keine organisierten Veranstaltungen. Allerdings erklären sich jedes Jahr eine Handvoll ehemaliger kanadischer Outgoer bereit als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und ab und zu unternimmt man dann auch etwas zusammen.

Leben in Montreal:

Montreal ist eine wunderschöne anderthalb Millionenstadt am St. Lorenzstrom und benannt nach dem Berg „Mont Royal“, der im Zentrum der Stadt liegt. Eigentlich eine Insel, ist sie nicht zu groß und nicht zu klein. Sie liegt im Süden der französischsprachigen Provinz Quebec. Ich habe im meinem Leben noch nie ein Wort Französisch gelernt, daher hatte ich zuerst etwas Angst, aber mein Glück war, dass die Menschen in Montreal meistens sowohl Französisch als auch Englisch sprechen. Will man aber einmal weiter rausfahren wird es dann schon schwieriger. Je weiter man nach Norden fährt umso weniger Menschen sprechen ein passables Englisch. Das Problem ist das auch Leute mit Französisch-Kenntnissen (sogar die Franzosen an sich) es schwer haben das sogenannte Quebecois zu verstehen. Es ist ein schwerer Akzent, der an das Französisch erinnert wie es vor ca. 400 Jahren gesprochen wurde. In Montreal hat man aber wie gesagt diesbezüglich keine Probleme. Durch das französische Erbe wirkt die Stadt von den Gebäuden und dem Flair sehr europäisch. Es gibt überall kleine Bars und Restaurants, Patisserien und Boulangerien in denen die Leute im Sommer auch in der Woche bis Mitternacht schlemmen. Während meiner Zeit in Kanada habe ich leider weniger von dem Land gesehen als ich es mir vorgenommen habe. Ich gebe jedem Praktikanten den Tipp sich möglichst viel Zeit zum Herumreisen nach dem Praktikum einzuplanen. Es ist vielleicht das Beste den Rückflug erst nach der Anreise zu buchen, wenn man weiß wie lange die Aufenthaltsgenehmigung dauern wird. Diese obliegt nämlich dem Beamten im Immigrationsbüro in Kanada und die lassen in der Regel mit sich reden. Das Problem (und natürlich auch das Schöne) an Kanada ist, dass es so groß ist. Redet ein Kanadier davon, dass etwas nah dran ist, kann er damit schon einmal 6 Autostunden weit weg meinen. Wenn man also nur am Wochenende Zeit hat sich das Land anzusehen sind Sehenswürdigkeiten in anderen Provinzen, die schon einmal 12 - 30 Autostunden pro Richtung entfernt liegen können leider nicht realistisch. Hinzu kommt, dass Fliegen in Nordamerika durch die geringe Konkurrenz unter den wenigen Airlines deutlich teurer ist als in Europa. Von der Ost- zur Westküste Kanadas kostet ein Flug durchschnittlich 1000 Can-$. Glück für montrealer Praktikanten ist, dass es in Quebec viele Nationalparks und andere schöne Ort gibt zu denen man Ausflüge machen kann. An der McGill Universität gibt es mehrere sehr aktive Outdoorclubs und fast jedes Wochenende kann man sich irgendwo mit einklinken, ob nun beim Wandern, Kanu oder Rad fahren oder meinem persönliches Highlight Whale Watching.