Russland - Russian Academy of Science
Nun möchte auch ich von meinem Dasein in Moskau während meines einmonatigen Praktikums in einem Laboratorium der Russian Academy of Science berichten.
Begonnen hat alles zunächst mit einer Absage der Lomonosov University für meinen ursprünglichen Praktikumsplatz und mit der Frage, ob ich denn mein Praktikum auch an der Russischen Akademie der Naturwissenschaften antreten möchte.
„Klar, warum nicht?“, dachte ich mir und freute mich auf einen Monat Moskau. Was mir das Praktikum bringen würde, konnte ich mir bis dahin nicht im Entferntesten vorstellen…
In Moskau angekommen, war ich zunächst einmal erfreut über die übermäßige Hilfsbereitschaft der Moskauer am Flughafen (Domodedovo, der im Übrigen ziemlich unübersichtlich ist. Das heißt man sollte genug Aufenthaltszeit am Flughafen bei Abflug einplanen, und zudem findet man je nach Arbeitsplatz in Moskau bestimmt einen näher gelegenen. Wir haben im Studentenwohnheim in der Yugo- Zapadnaya neben der MITHT gehaust und da ist der Sheremetyevo International Airport wirklich der nächst gelegene!). Die Frau von der „Geldbank“ am Flughafen gab mir gleich den Tipp mein Geld doch lieber im Zentrum zu tauschen. Am Flughafen wird einem nämlich der schlechteste Wechselkurs geboten.
Den Weg vom Flughafen zu meiner Unterkunft (Studentenwohnheim in der Yugo- Zapadnaya) kann man recht gut finden, zumindest bis zur Metro Station Yugo- Zapadnaya. Das hatte ich alles aber auch der Arbeit von IAESTE Russia zu verdanken bzw. einer engagierten Studentin namens Sascha. Sie wohnt selbst im besagten Studentenwohnheim und ließ allen Praktikanten im Vorfeld eine detailierte Anfahrtsbeschreibung per E-Mail zukommen. Bevor wir nämlich unser Praktikum in Moskau angetreten sind, haben wir eine E-Mail mit allen wichtigen Wegbeschreibungen, nützlichen Tipps und einigen Bildern zugeschickt bekommen. Diese Unterlagen waren wirklich sehr hilfreich, da dort alles auf einen Blick beschrieben war. „Wo tausche ich mein Geld? Wo bekomme ich gleich eine russische Sim Karte her, die ich benötige, um z.B. Sascha zu kontaktieren, damit mich jmd. von der Metro-Station abholt und zu dem Studentenwohnheim bringt?“
Mit Hilfe der vorgegebenen Unterlagen kaufte ich mir dann gleich in der Nähe des Flughafens eine Sim-Karte von MTS. Das würde ich jedoch nicht noch einmal tun – v.a. dann nicht, wenn ich kein Russisch kann. Denn MTS ist zwar der billigste Anbieter, wie uns dann von den anderen Studenten im Wohnheim gesagt worden ist, aber auch einer der schlechtesten. Tagtäglich erhielt man SMS, um Abos abzuschließen, was natürlich nicht so angenehm war, v.a. wenn man selber kein Russisch verstanden hat. Um sich derartiger Abos zu entledigen musste man sich online ein Konto bei MTS registrieren, um dort die Abos wieder abzubestellen. Das musste man aber erst einmal wissen…
Komm ich nun zu dem Aspekt, welche Sprachkenntnisse man mitbringen sollte, wenn man nach Moskau geht. Ich selber bin zweisprachig aufgewachsen - Deutsch u. Russisch. Von daher ist mir der Aufenthalt, was die Sprache anging, nicht schwer gefallen. Ich empfand jedoch ziemliches Mitleid mit denjenigen, die nur mit Schulkenntnissen oder gar ohne jegliche Russisch- Kenntnisse vor Ort waren; ihnen fiel es nämlich ziemlich schwer sich unterwegs mit den Einheimischen zu verständigen. Moskau gilt zwar als eine internationale Metropole, jedoch kommt man da nur mit Englischkenntnissen meiner Ansicht nach nicht sonderlich weit, wenn man nicht vor Ort Kontakt zu Einheimischen oder Gleichgesinnten knüpft. Denn allein die Straßenschilder und Metroaushänge sind meistens in Russischer Sprache geschrieben und ich brauchte mit meinen sehr kleinen Lesefähigkeiten was russisch angeht auch ein kleines Weilchen bis ich mich in der Metro und auf der Straße zurecht fand.
Die Metro selbst ist in Moskau vom Plan her ziemlich übersichtlich. Es gibt eine gewisse Anzahl an farbigen Metrolinien, an denen man sich orientieren kann. Daher findet man den Weg von A nach B meist recht schnell. Das Problem ist nur, dass man a) sich den überwiegenden Teil des Tages in der Metro befindet, da Moskau eine Stadt mit ca. 13 Mio. Einwohnern und dementsprechend groß ist, sodass die Distanzen zwischen A und B zu Fuß schon immer ein Weilchen auseinander liegen. Und b) man sollte immer darauf achten wie man zwischen den Linien umsteigt, ohne eine Fahrkarte ver-fallen zu lassen. Aufgrund der großen Bevölkerungsdichte war die Moskauer Metro auch im Prinzip immer überfüllt, sodass man auch hin und wieder mal ein paar Bahnen abwarten musste bis man einsteigen konnte. Dies war meist jedoch kein Problem gewesen, da die Bahnen im 40-Sekunden-Takt gefahren sind!
An der verabredeten Metrostation Yugo-Zapadnaya angekommen wurde ich von Vitali, einem Freund von Sascha abgeholt und geradewegs (zusammen mit einem weiteren Praktikanten aus Deutschland) zu meiner Unterkunft gebracht. Die Gastfreundschaft von denjenigen russischen StudentInnen, die wir in Moskau kennengelernt haben, war wirklich immens und ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie sich so um uns gekümmert haben. Dazu zählte dann natürlich, dass man am ersten Abend gleich von Vitali eingeladen wurde auf ein o. zwei Stück Weißrussische Wurst, Tee und Gebäck. Es war echt super, weil er uns alles Mögliche über Russland und seine Mentalität erzählt hat. Alles in allem haben Sascha und Vitali uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden, sei es bei Banalitäten wie dem Internetanschluss, wenn man mal krank geworden ist (keine Seltenheit bei zweiwöchigem Dauerregen im Moskau, was die Moskauer bis dato selber noch nicht erlebt hatten im Sept.) oder sich auch mal den Fuß verletzt hat und vor Ort zum Arzt gehen musste. Für alles gab es ein Hausmittelchen oder einen guten Rat.
Ja, was die Gastfreundschaft und Geselligkeit im Wohnheim anging, war man eig. nie alleine und hatte stets einen Ansprechpartner. Was die Ordentlichkeit jedoch angeht, sieht es dort nicht deutschen Standards entsprechend aus, was heißen soll: Man sollte sich schon bewusst sein, worauf man sich einlässt, wenn man nach Moskau geht. Man wird nicht in einem teuren Nobel-Appartment untergebracht werden, sondern viel eher sich das Zimmer mit mehreren, möglicherweise auch unkommunikativen Russen, teilen müssen. Warum ich das jetzt so sage? Weil es bei den Russen so ist, dass sie nett und herzlich sind, jedoch in der Schule nicht wirklich gelernt haben auf Englisch zu sprechen und dementsprechend Scheu verspüren sich mit einem auf Englisch zu unterhalten. Ich kam jedoch in ein Dreier- Zimmer mit 2 sehr netten deutschen Mädels, von denen eine sogar eine „Russlanddeutsche“ gewesen ist. Wir haben uns richtig gut verstanden und kamen daher auch ganz gut zurecht. Wir hatten auch das „Luxus- Zimmer“ im Studentenwohnhei. :)
Nun zu meinem Praktikum als solches: Dieses absolvierte ich an der Russischen Akademie der Naturwissenschaften. Ich muss sagen, dass der erste Tag ziemlich vielversprechend klang, nachdem wir unserer Arbeitsgruppe zugewiesen worden sind und alle erst einmal bei Tee und Gebäck kennen gelernt haben. Allesamt, v.a. unsere Abteilungsleiterin Frau Irina Germanovna, waren sehr nett und zuvorkommend. So informierten sie uns nicht nur über unser Tätigkeitsgebiet, sondern auch über Moskau, ihre Lebenssituation in Moskau und die Situation der Russischen Akademie, die nämlich derzeit reformiert werden soll. Grund für die Reform ist die Annahme der Regierung, dass seitens der Akademie trotz ausreichender staatlicher Förderung nur wenige Forschungsergebnisse erbracht werden, die Akademie wiederrum klagt über unzureichend Arbeitsmaterial und zu wenig Forschungsgelder. Die Sicht der Akademie kann ich nur bestätigen, da ich mit eigenen Augen gesehen habe, dass die WissenschaftlerInnen zumindest in unserer Abteilung noch mit sehr alten Zentrifugen und ähnlichen Gerätschaften aus der SU-Zeit hantieren.
So hieß es auch mehrmals im Laufe unseres Praktikums zunächst einmal unsere Gerätschaften selbst basteln, bevor man das Experiment starten konnte. Natürlich ist es schön, dass unsere Kreativität dadurch angeregt worden ist, doch finde ich persönlich es sehr schade, dass Gelder verschwinden, die eig. der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden, um angemessen Forschung zu betreiben. Am Willen der WissenschaftlerInnen mangelt es definitiv nicht!
Alles in allem dauerten unsere Experimente dadurch nur unnötig länger als vorgesehen und mussten auch mehrmals durchgeführt werden, da keine sinnvollen Ergebnisse herauskamen. Kein Wunder, wenn noch nicht einmal Aceton zum Spülen von Reagenzgläsern zur Verfügung steht.
Es ging immer nur sehr schleppend voran und die Arbeitseinstellung war auch eine andere als man sie in Deutschland gewohnt ist. Jeden Morgen saßen wir zunächst bei einer Tasse Tee und Gebäck und fingen dementsprechend ziemlich spät an mit unserer Arbeit, wodurch sich der Arbeitsalltag schon mal bis in den Abend zog. Die Ausstattung der Laboratorien würde ich als sehr mangelhaft einstufen für Moskauer Verhältnisse…
Insgesamt herrschte im Labor stets eine familiäre Arbeitsatmosphäre und zum Schluss wurden wir sogar mit selbst gebackenen Köstlichkeiten verabschiedet, was auch super nett u. super lecker war.
Ansonsten kann ich von meinem Arztbesuch in Moskau erzählen: Ich habe mir beim Besuch des Kreml den Fuß verletzt und war zunächst einmal ziemlich bewegungsunfähig. Ich konnte irgendwann nicht mehr richtig laufen, sodass ich mich letztendlich nach mehrmaligem Auffordern anderer entschlossen habe doch zum Arzt zu gehen. Hierbei kann ich persönlich vom Besuch des European Medical Centers abraten, da dieser wirklich sehr teuer ist. Mir wurde telefonisch angeraten beim erstmaligen Besuch des Arztes eine Summe von um die 25 000 RUB mitzubringen. Ich hoffe mal das Geld war dann für erstklassige Technik gedacht… Nachdem wir aber das Medical Center, zu dem wir mussten (es gibt nämlich verschieden Abteilungen mit unterschiedlichen Standorten) nicht gefunden haben und versehentlich an einem falschen Standort angekommen waren, entschied ich mich doch zum Poliklinikum zu gehen. Dies war auch eine gute Entscheidung, denn dort kann man – falls man kein Russisch sprechen sollte – einen Dolmetscher konsultieren, der bei der Verständigung hilft. Dafür muss man sich in einem bestimmten Kabinett im Poliklinikum anmelden als AusländerIn und dann funktioniert das alles ziemlich gut. Man muss nur darauf achten, dass man dann alle Rechnungen, die man erhält, ordnungsgemäß im Krankenhaus abgibt und die dann bei der Versicherung einreicht. Ich bin beim ADAC versichert und da ging das mit dem Geld erstatten recht reibungslos. Aber informiert euch lieber im Vorfeld schon, wo ihr euch überall in Moskau behandeln lassen könnt! Denn einige Versicherungen besitzen nur mit bestimmten Krankenhäusern oder Ärzten Kooperationen. Somit seid ihr auf der sicheren Seite, wenn ihr schon im Voraus ein paar Telefonnummern aufschreibt, damit ihr wisst, an wen ihr euch im Notfall wenden könnt.
Alles in allem würde ich mein Praktikum trotz einiger Pleiten, Pech und Pannen als eine für mich wertvolle Erfahrung einschätzen. Einerseits konnte ich, soweit es mir möglich war, in Moskau beruflich Erfahrung sammeln, vor allem aber eine Menge netter Leute kennenlernen, die mir auch stets unter die Arme gegriffen haben!!! So hat man dann auch die Abende in geselliger Runde verbracht. :)
Ich würde es jedoch niemandem empfehlen, der sich nicht drauf einlassen kann auch mal in ärmlicheren Verhältnissen zu leben wie es die StudentInnen im Studentenwohnheim tun. Man sollte auch auf jeden Fall Russischkenntnisse mitbringen, selbst wenn es auch nicht in der O- Form explizit geschrieben steht. Zu empfehlen ist auch ein WE-Ausflug nach St. Petersburg (die Zugfahrt hin und zurück ist schon eine Erfahrung wert). Wir alle, sprich die deutschen PraktikantInnen, empfanden es als einen richtigen Urlaub!!! Zudem erschien uns St. Petersburg viel internationaler als Moskau und die Menschen waren auch angenehmer: Alle Straßenschilder waren auf Russisch und Englisch, überall waren Maps zu finden, so dass man immer genau wusste, wo man sich befand. Und die Metrolinien waren um einiges übersichtlicher, wobei man in St. Petersburg aber auch gut zu Fuß unterwegs sein kann. Insgesamt war es dort nicht so hektisch. Vielleicht sollte man ja mal überlegen noch ein Praktikum in St. Petersburg zu absolvieren?!