Norwegen - Universität Bergen

Im Sommer 2019 habe ich ein 6-wöchiges Praktikum am Institut für Biowissenschaften an der Universität Bergen, Norwegen absolviert. Die Zusage meines Arbeitgebers kam relativ spät. Das war allerdings kein Problem, da für den Aufenthalt in Norwegen kein Visum notwendig ist. Auch die Organisation einer Unterkunft hat problemlos funktioniert.

Trotz aller Warnungen, dass Bergen die regenreichste Großstadt Europas sei, machte ich mich also guter Dinge mit der Regenjacke und dem Regenschirm im Gepäck auf den Weg. Doch als ich aus dem Flugzeug stieg konnte ich es kaum glauben: blauer Himmel und 32°C. Mein IAESTE reception officer schrieb mir welchen Zug ich in die Stadt nehmen sollte und traf mich dann bei der ausgemachten Station, um mich zu meinem Zimmer im Studentenwohnheim zu bringen. In meinem Zimmer gab es alles was man braucht: ein Bett, einen Schrank und einen Tisch. Bettwäsche hatte ich zwar mit, nur leider fehlte mir dazu eine Bettdecke. Zum Glück hatte ich meinen Schlafsack im Koffer, der mir die kommenden 6 Wochen gute Dienste leistete. Einen Schlafsack mitzunehmen kann ich nur wärmsten empfehlen, da dieser mir auch bei meinen Ausflügen am Wochenende stets begleitete.

An meinem ersten Arbeitstag begleitete mich mein IAESTE buddy zum Finanzamt, um meine Steuernummer zu beantragen. Danach ging es in die Universität, wo ich dann meinen Arbeitsvertrag unterschrieb und gleich zwei weitere Praktikanten traf. Wir verabredeten uns gleich für den Abend, um auch die anderen Praktikanten aus Bergen kennenzulernen.

Die Arbeitszeiten waren sehr flexibel. Man sagte mir, solange ich auf 40 Stunden in der Woche komme, könne ich mir meine Arbeitszeit flexibel einteilen. Das war perfekt, da ich mir den einen oder anderen Freitag für ein verlängertes Wochenende freinehmen konnte. Die Arbeit an sich war sehr abwechslungsreich. In der ersten Woche sollte ich eingefrorene Biomasse Proben in die verschiedenen pflanzlichen Funktionsgruppen sortieren. Eine recht mühselige Arbeit, die aber gemeinsam im Team gut zu meistern war. In der nächsten Woche ging es dann endlich raus in die Berge. Ich sollte beim Aufbau eines neuen Projektes helfen. Hierbei sollten Pflanzen aus verschiedenen Höhenlagen ausgegraben werden, um sie dann einige hundert Höhenmeter tiefer wieder einzupflanzen. Durch den Standortwechsel sollte der Klimawandel simuliert werden, da es in tieferen lagen in der Regel wärmer ist. In den kommenden Jahren soll nun beobachtet werden, wie sich die Pflanzen an die neuen Umweltverhältnisse anpassen. Dieser Einsatz ging über drei Tage und wir übernachteten in einer kleinen Berghütte ohne Strom und fließendes Wasser. Ein wirkliches Abenteuer! Geregelte Arbeitszeiten gibt es bei einem solchen field trip natürlich nicht. Es wird gearbeitet solange es hell ist – und das ist im norwegischen Sommer verdammt lange. Auch das Wetter spielte nicht immer mit, was uns aber nicht von der Arbeit abhielt. Der Helikopterflug am Ende des Tages zurück zur Basistation machte die nassen Schuhe aber bei Weitem wieder gut.

Mein Praktikum war stets eine angenehme Mischung aus Laborarbeit und aufregenden field trips in ganz Westnorwegen. Aufgrund des wechselhaften Wetters war die Planung sehr flexibel, sodass ich immer einen gepackten Rucksack in meinem Apartment hatte, falls es wieder spontan in die Berge geht. Geregelte Arbeitszeiten sehen anders aus, aber das hat mich nicht gestört. Die Arbeit im internationalen Team fühlte sich mitunter gar nicht an wie Arbeit, sondern eher wie eine Klassenfahrt mit lauter Gleichgesinnten.

An den Wochenenden hatte ich immer frei und verabredete mich mit den anderen Praktikanten aus Bergen. Gemeinsam flogen wir zum IAESTE Wochenende nach Oslo, wo wir weitere Praktikanten aus ganz Norwegen kennenlernten. Einen besuchte ich dann am Wochenende danach in Stavanger nach einer Fährfahrt durch die Fjorde.

Die Stadt Bergen an sich ist recht überschaubar. Ich wohnte in der Nähe der Innenstadt, sodass sich alle für mich relevanten Strecken mit dem Fahrrad erledigen ließen. Das Nahverkehrsnetz ist außerdem sehr gut ausgebaut und der Kauf eines Tickets mit der offiziellen App von Skyss ist sehr unkompliziert. An den Wochenenden vermied ich es, mittags ins Stadtzentrum zu fahren, da hunderte Kreuzfahrtreisende, die den Tag über anlegten, ins Zentrum strömten. Nachdem die Kreuzfahrtschiffe abends wieder den Hafen verlassen haben, hatte man die Stadt wieder für sich und es kehrte etwas Ruhe ein.

Wie der Name schon verrät ist Bergen von Bergen umgeben. 7 sind es an der Zahl und zu jedem führt ein eigener Wanderweg, der vom Zentrum gut zu erreichen war. Nach der Arbeit verabredeten wir Praktikanten uns öfter für eine kleine Wanderung. Nach 30 min Wanderung hatte man nicht mehr den Eindruck sich in einer der größten Städte Norwegens zu befinden, sondern mitten in der norwegischen Wildnis.

Dass Norwegen ein teures Land ist, ist sicherlich nichts neues. Aber als ich dann im Supermarkt die Preise sah war ich dennoch etwas schockiert. Das Gehalt bei meinem Praktikum war den norwegischen Preisen angemessen, sodass ich nicht hungern musste und kleine Reisen am Wochenende waren auch möglich. Da ich aber in der Ferienzeit in Norwegen war, kam es zu einer Verzögerung bei der Zahlung meines Gehalts. Ich erhielt es erst, als ich wieder zurück in Deutschland war. Das heißt ich musste während des gesamten Praktikums alles aus meiner eigenen Tasche vorstrecken. Ich war nicht der einzige Praktikant in Norwegen dem es so ging. Demnach ist es ratsam, sich nicht mit einem leeren Konto auf dem Weg zu seinem Praktikum zu machen. Das Gehalt deckte trotz der hohen Preise in Norwegen und meinen Wochenendausflügen meine Ausgaben komplett.

Auch wenn ich Bergen bei schönstem Wetter erreichte, lernte ich die regnerische Seite der Stadt kennen. Die Investition in Regensachen hat sich definitiv gelohnt. Aber man gewöhnt sich schnell an das wechselhafte Wetter und ist darauf vorbereitet. Eine Angewohnheit, die ich mit nach Deutschland brachte, ist es, immer einen Regenschirm oder eine Regenjacke dabeizuhaben, selbst wenn man das Haus bei Sonnenschein verlässt. Wasserfeste Schuhe sind ebenfalls sehr zu empfehlen, wenn man sich auf den Weg nach Bergen macht!

Ich hatte eine wirklich bereichernde Zeit in Norwegen und kann es nur empfehlen hier ein Praktikum zu absolvieren. Meine norwegischen Kollegen und auch sonst alle Norweger, mit denen ich Kontakt hatte, waren sehr freundlich und hilfsbereit. Auch der Kontakt zu den anderen IAESTE Praktikanten aus aller Welt war sehr bereichernd.