Australien - Future Industries Institut in Mawson Lakes, Adelaide
Praktikumsbericht IAESTE Adelaide 2018
In der zweiten Hälfte 2018 hatte ich die Gelegenheit ein sechsmonatiges Praktikum am Future Industries Institut in Mawson Lakes, Adelaide zu absolvieren. Es war eine sehr intensive, lehrreiche und schöne Zeit und ich würde es jedem nur empfehlen.
Das Future Industries Institute, welches früher Mawson Institut genannt wurde, gibt es erst seit wenigen Jahren, womit die Strukturen noch sehr neu sind. Insgesamt liegt der Fokus des Institutes, wie der Name schon sagt, auf einer engen Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industriepartnern, wodurch die gesamte Finanzierungslage zum Teil etwas anders ist und auch nicht diese Lücke zwischen Universitärer Forschung und Industrie so stark vorhanden ist wie in Deutschland häufig. Die Struktur des Institutes ist darauf ausgerichtet, dassArbeitsgruppen sich gegenseitig mit Chemikalien, Geräten oder auch Wissen aushelfen und kooperativ interdisziplinäre Projekteverfolgt werden.
Meine Arbeitsgruppe hatte ihren Schwerpunkt auf Proteomik und Massenspektrometrie, was sehr gut zu meiner bisherigen Ausbildung passte, da ich Ernährungswissenschaften an der Uni Potsdam studiert habe und durch meine Bachelorarbeit am IGZ in Großbeeren schon Erfahrung mit Massenspektrometrie/HPLC gesammelt hatte. Durch die unterschiedlichen Herkunftsrichtungen meiner Arbeitskollegen war auch die Thematik an Projekten in unserer Arbeitsgruppe sehr abwechslungsreich, so wurde an Krebsfrüherkennung anhand bestimmter Proteinmarker über Toxinermittlung in Lebensmitteln bis hin zu Glykanen an vielen Projekten gearbeitet.
In meinem Projekt ging es um Lagerstabilität von Milch mit dem langfristigen Ziel, alternative Methoden zur Verlängerung von Milchhaltbarkeit neben der Herkömmlichen Hitzebehandlung zu entwickeln. Da das Projekt erst ganz neu war und ich allein daran arbeiten durfte, hatte ich die Möglichkeit, ganz von Anfang an bei der Projektplanung dabei zu sein und Verantwortung zu übernehmen, meine eigenen Ideen einzubringen und komplett selbstständig zu arbeiten, aber konnte mich dennoch immer mit meinem Supervisor absprechen oder ihn um seine Einschätzung fragen. Praktisch bestand meine Arbeit hauptsächlich aus Methodenentwicklung zur analyse von verschiedenen Komponenten in Milch wie Proteine und Lipide sowie Literaturarbeit. Ich hatte auch die Möglichkeit, zwei Vorträge über meine Arbeit und ein Journal club zu geben, wodurch auch die Präsentierfähigkeiten wieder aufgefrischt wurden. Durch die positive Unterstützung meines motivierten Supervisors und das gute Arbeitsklima in meiner Arbeitsgruppe hat mir das tägliche Arbeiten (bis auf wenige Ausnahmen vielleicht ;-)) sehr Spaß gemacht und ich konnte mich persönlich wie auch im Bereich von Fachkenntnissen sehr weiterentwickeln. Außerdem hat mir den Einblick ins Berufleben geholfen, eine Bessere Einschätzung zu bekommen, welche Fähigkeiten/Module/Kenntnisse wichtig sind, was mir definitiv helfen wird, motivierter, strukturierter und zielgerichteter durch meine weitere Berufsausbildung zu gehen.
Insgesamt war die Ausstattung in meiner Arbeitsgruppe sehr gut, da in meiner Zeit die Arbeitsgruppe sehr klein war, wodurch ich uneingeschränkt alle Geräte benutzen konnte, die ich brauchte. Da das Institut sehr (!) gut organisiert ist, kann man außerdem einsehen, welche Arbeitsgruppe welche Chemikalien oder Geräte hat und die Arbeitsgruppen teilen häufig ihr Wissen/Geräte/Chemikalien, wodurch das Arbeiten sehr angenehm und vielfältig ist. Außerdem hatte ich aufgrund der Größe der Arbeitsgrupp eine recht intensive Betreuung und ein sehr positives Arbeitsklima, sodass ich bei Fragen immer Unterstützung und hilfreiche Tips und Ideen bekommen habe. Ein besseres Umfeld für mein Praktikum hätte ich mir vermutlich nicht ausdenken können.
Leider gibt es in Adelaide kein IAESTE Komitee, aber die IAESTE Gruppe in Melbourne war immer offen für Unternehmungen oder wenn man Fragen hatte. Somit musste ich mir meine Wohnung selber suchen und mich in allem selbst einfinden, aber das geht in der Regel sehr schnell. Über bekannte konnte ich die ersten zwei Wochen bei einer Gastfamilie wohnen, von wo aus ich gut nach Wohnungen schauen konnte. In der Regel dauert es nicht länger als 1-2 Wochen bis man eine gute Wohnung findet. Ich habe in Pooraka gelebt und bin jeden Morgen 25 Minuten zur Arbeit gelaufen (Deutsch lieben laufen, wurde mir gesagt). Mir hat es gefallen, da ich in einer 6er WG mit 5 unterschiedlichen Nationen gelebt habe und wir viel Spaß hatten, aber Pooraka ist nicht jedermanns Sache. Wer kurze Arbeitswege mag, sollte sich am besten eine Wohnung in Mawson Lakes suchen (dort ist ein Bahnhof und man ist schnell in der Innenstadt, Pooraka ist zwar auch schön, aber da es sehr weit weg vom Bahnhof ist, dauert es eine Stunde ins CBD). Ist es wichtiger, Bars und Clubs um sich zu haben, ist es empfelenswerter, in die Stadt oder an einen der Stadtteile entlang der Zuglinie zu ziehen und mit dem Zug zur Arbeit zu fahren. Durch den „Australian Dream“ (Eigenes Haus, eigener Garten) sind die meisten Städte Australiens sehr weitläufig und der Öffentliche Transport schlecht ausgebaut, da fast alle Auto fahren aufgrund der billigen Spritpreise. Von allen Städten in Australien ist Adelaide vermutlich die familiärste und industriellste Stadt aber es kann auch seinen eigenen Charme haben wenn man sich ein wenig kundig macht.
Da das Institut international gute Verbindungen hat, gibt es viele PHD Studenten, Masterstudenten und andere Praktikanten von den unterschiedlichsten Denominationen und Organisationen, die auch viele gute Tipps haben und Dinge unternehmen, sodass sich Kontakte sehr schnell bilden und auch die Kollegen unterstützen bei Wohnungssuche und allen anderen Fragen in der Regel sehr gern. Es sind häufig auch noch andere IAESTE Praktikanten da, zu denen durch die IAESTE Gruppe in Melbourne in der Regel schnell Kontakt aufgenommen werden kann.
Jeder Praktikant bekommt auch eine bestimmte Anzahl an freien Tagen, sodass kann man trotz arbeiten sehr viel vom Land sehen kann. So konnte ich zum Uluru fahren, nach Brisbane, Sydney und Melbourne fliegen und die Great Ocean Tour sowie Flinders Rangers und Tasmanien besuchen. Es lohnt sich, etwas Erspartes für das Reisen Australien mitzubringen, aber wenn man sparsam lebt und sich mit anderen Praktikanten zusammentut kann man sich die meisten Trips auch von dem Taschengeld finanzieren. Australien ist ein absolut schönes Land und ich empfehle es jedem, die Zeit dort auch zum Reisen zu nutzen. Kulturell ist Australien aber nicht ganz so unterschiedlich von Europa, also muss man sich nicht vor einem Kulturschock fürchten ;-)
Da ich Christ bin und in eine örtliche Gemeinde gegangen bin (Field of Dreams), hatte ich während dieser Zeit zusätzlich das Privileg, auch sehr schnell zu lokalen Australiern Kontakt zu bekommen und somit nochmal einen ganz anderen Einblick in das Leben der „Adelaider“ zu bekommen als die meisten anderen Praktikanten. Die Zeit dort hat meinen Auslandsaufenthalt maßgeblich geprägt und mir neben neuer Zukunftspersektiven durch das Praktikum auch ganz neue Dinge über Gott und die Schönheit des Lebens in Gemeinschaft mit Gott gezeigt, was mein Leben für immer verändert hat.
Insgesamt war es die beste Entscheidung, die ich machen konnte, das Praktikum in Australien zu machen und ich bin IAESTE sehr dankbar für die Vermittlung und Unterstützung.