Australien - Mawson Institude

Im Jahr 2012/2013 habe ich neun wundervolle Monate in Adelaide, Australien, verbracht. IAESTE ermöglichte mir ein zellbiologisch orientiertes Praktikum am Mawson Institute (MI). Dieses ist an die University of South Australia angegliedert und ist auf die Entwicklung von neuen Produkten und Produktionsprozessen in Bereichen der Materialwissenschaften, Oberflächentechnik und Nanobiotechnologie sowie der Erforschung von Biostoffen, der Gewebezüchtung und der Sensortechnologie spezialisiert. Ich selbst habe Zelluläre und Molekulare Biologie an der Universität Potsdam studiert und arbeitete im Rahmen des Praktikums an einem Projekt zur Erforschung von Plasmastrahlung auf lebende Zellen zur Gentransfektion.

Im Hinblick auf dieses Projekt verbrachte ich einen Großteil meiner Arbeitszeit mit der Anzucht und Kultivierung von Zellen sowie mit der Durchführung und Analyse unterschiedlichster biologischer Assays zur Untersuchung von verschiedenen Microplasma-jet-Behandlungsparametern auf die Viabilität diverser Zelltypen. Neben einer Vielzahl molekularbiologischer Methoden erlernte ich auch den Umgang mit verschiedenen Plasmareaktoren sowie die Herstellung von Plasmachips in speziellen Mikrofabrikationseinrichtungen. Diese „nichtbiologischen“ Tätigkeiten ließen mich einmal über den Tellerrand schauen und trugen zu einem großen Erfahrungsgewinn im interdisziplinären Arbeiten bei. Weiterhin hatte ich die Möglichkeit durch Kooperationen mit anderen Forschungsgruppen einen Einblick in deren Forschungsfelder zu erhalten und einen Beitrag zu weiteren Projekten zu leisten.

Als besonders angenehm habe ich das selbstbestimmte Arbeiten empfunden, bei dem ich eigenständig meine Experimente planen und durchführen konnte. Nichtsdestotrotz konnte ich stets meine Pläne und Ideen mit meinen Betreuern diskutieren, und sie hatten jederzeit ein offenes Ohr für mich. In der Arbeitsgruppe wie auch am gesamten Institut herrschte immer ein entspanntes und harmonisches Miteinander, und das Zusammenarbeiten mit Kollegen aus unterschiedlichsten Disziplinen und aus aller Herren Länder bereicherten den Forschungsalltag ungemein.

Insgesamt war das Praktikum vom MI sehr gut organisiert und betreut. Die Laboratorien am MI sind sehr modern und gut ausgestattet, und jeder Praktikant hat zudem seinen eigenen sehr geräumigen Computerarbeitsplatz. Regulär wurde von Mo bis Fr jeweils von 9:00 bis 17:00 Uhr gearbeitet, wobei die Arbeitszeiten in Absprache auch variiert werden konnten und Pausenzeiten bereits integriert sind. Vertragsmäßig steht jedem Praktikanten ein Tag Urlaub pro Monat zu, so dass ich insgesamt neun Tage frei bekommen hätte. Da diese Regelung jedoch nicht allzu streng gesehen wird, sind auch durchaus ein paar Urlaubstage mehr drin. So entschied ich mich dafür, gleich meinen gesamten Urlaub, drei Wochen, auf einmal zu nehmen, herumzureisen und Land und Leute kennenzulernen. Mit der Bezahlung von 350AUD pro Woche hatte ich nach Abzug von Miete und sonstigen Lebenshaltungskosten sogar am Ende ein paar Dollar übrig, die ich in meine Reise investieren konnte.

Seitens IAESTE fand leider keinerlei Organisation von Ausflügen, Treffen oder Sonstigem statt. Die Kontaktaufnahme zu Mitgliedern der Austauschorganisation im Gastland brachte mir die Information ein, dass es momentan kein Lokalkomitee in Adelaide gibt und für die Praktikanten dort das nächstgelegene IAESTE-Team in Melbourne zuständig ist. Da Melbourne jedoch gute neun Stunden Autofahrt von Adelaide entfernt liegt, kam es nie zu einem persönlichen Treffen. Auch wenn dieser Umstand sehr schade war, muss ich sagen, dass das dem Spaß am Praktikumkeinen Abbruch getan hat, denn soziale Kontakte mit Gleichgesinnten sind durch die Arbeit am MI gesichert.

Schon seit einigen Jahren beschäftigt das Institut zahlreiche Praktikanten, die vor allem aus Europa kommen. So ist es auch kein Zufall, wenn man dort den einen oder anderen Landesgenossen antrifft. Nicht nur in der Mittagspause, sondern auch nach Feierabend oder am Wochenende fanden sich immer viele der Praktikanten zusammen und gestalteten gemeinsam ihre Freizeit. Dabei blieben diese aber keineswegs immer unter sich – auch Ausflüge und Treffen mit anderen Kollegen kamen häufig vor. Das gab einem immer die Gelegenheit zu einem Erfahrungsaustausch und das sichere Gefühl nicht allein in einem fremden Land zu sein.

Auch sonst habe ich mich in Adelaide gleich wohl gefühlt, was wahrscheinlich an der entspannten und unkomplizierten Art der Australier im Allgemeinen wie auch an der Tatsache lag, dass Australien ein klassisches Einwanderungsland ist und ich mich somit sofort dazugehörig gefühlt habe. Eine große Rolle könnte natürlich auch das warme Wetter mit seinen vielen Sonnenstunden und eine Kultur, die unserer nicht allzu fremd ist, gespielt haben.

Australien ist in jedem Fall mit seinen grandiosen Landschaften, seinen ellenlangen weißen Sandstränden und seiner exotischen Tier- und Pflanzenwelt eine Reise wert. Und was ist besser als sein Auslandspraktikum mit diesen Erlebnissen zu verbinden? Wer Angst vor den dort vorkommenden giftigen Tieren hat, den kann ich nur beruhigen. In den ganzen Monaten, die ich dort verbracht habe, sind mir weder riesige Spinnen, noch Schlangen oder sonst irgendwelches unheimliches Getier über den Weg gelaufen.

Worauf man sich aber gefasst machen sollte, sind die vergleichsweise recht hohen Lebenshaltungskosten. Die Bezahlung ist zwar ausreichend, doch um alle anfallenden Kosten zu decken und dennoch ein paar Dollar einzusparen, ist es zu empfehlen, auf den Farmers Märkten anstatt im Supermarkt einkaufen zu gehen. Für mein 9m2 -Zimmer in einer Wohngemeinschaft mit fünf weiteren Studenten sind wöchentlich 145AUD angefallen, für Lebensmittel ein Betrag in ähnlicher Höhe. Vergleichsweise preiswert sind hingegen die Studentenpreise für den öffentlichen Nahverkehr. Dennoch ist es ratsam, sich in Campusnähe eine Bleibe zu suchen, wenn man nicht gerade jeden Tag die Zeit investieren möchte, um von der Innenstadt zur Uni und zurück zu fahren.

Bevor man die Reise nach Australien antritt, sollte man sich am besten schon um seine Unterkunft kümmern. Nach meiner Erfahrung ist die Suche in online-Portalen eher schwierig, da die Zimmer oft sehr schnell vergeben sind. Deshalb ist es am einfachsten, vorher am Institut zu fragen, ob jemand ein Zimmer frei hat. Da die meisten Austauschstudenten zusammen in WGs leben und die Leute ständig kommen und gehen, sollte sich so recht schnell ein geeignetes Zimmer finden. Ich habe das Zusammenleben mit den anderen Studenten sehr genossen, denn so wurde es nie langweilig, und ich habe viel über andere Länder und Kulturen erfahren.

Wenn ich nun nach dem Praktikum Bilanz ziehe, muss ich sagen, dass es eine tolle Erfahrung gewesen ist, die ich nicht missen möchte und dass ich jedem nur empfehlen kann, die Gelegenheit zu nutzen mit IAESTE ein Praktikum im Ausland (natürlich allem voran in Australien) zu machen!