Westbank - Birzeit Universität
Im Juli 2014 bekam ich die Möglichkeit ein Praktikum an der Birzeit Universität in Westbank, Palästina zu absolvieren, welches allerdings einige Tage vor Beginn wegen der zu dieser Zeit sehr angespannten Situation zwischen Israel und Palästina abgesagt werden musste. Einige Wochen später bekam ich ein Angebot das Praktikum im Januar 2015 wahrzunehmen. Trotz zahlreicher Ratschläge dieses abzulehnen und lieber im "sicheren" Deutschland zu bleiben, entschied ich mich für die Reise.
Es war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können.
Ein paar Tage nach Neujahr ging es also los. Nach der Landung auf dem Ben Gurion Airport in Tel-Aviv wurde ich von einem freundlichen Mitarbeiter der Universität empfangen und zu meinem Apartment in Birzeit (etwa eine Stunde Fahrt) gebracht. Das Apartment war mit eigener Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer bestens eingerichtet. Am nächsten Morgen wurde ich von meiner äußerst fürsorglichen Vermieterin, die oft vorbeikam um nach mir zu sehen und sich zu erkundigen, ob es mir gut geht und ich genug zu essen habe, zur Universität gefahren, welche etwa fünf Minuten mit dem Auto entfernt war. Um mich etwas mit der Stadt vertraut zu machen und die Lage der für mich wichtigen Orte für die ersten Tage, wie Bankautomaten, Einkaufsläden usw. zu erfahren, fuhren wir einen kleinen Umweg. Dabei wurde mir auch recht schnell bewusst, dass die Lage meines Apartments im Stadtzentrum und mit der Bushaltestelle vor der Tür, optimal war.
In der Universität angekommen, wurde ich schon von meinem Betreuer empfangen. Er stellte mich allen Mitarbeitern vor und zeigte mir meinen Arbeitsplatz, mit dem ich mich einige Zeit vertraut machen konnte. Daraufhin erhielt ich die erste Einweisung in das Themengebiet und die genauen Ziele des Praktikums. Nach einem Rundgang durch das Universitätsgelände und dem Mittagessen endete mein erster Tag an der Birzeit Universität.
Am Morgen darauf lag es an mir, meine Fahrt zur Universität zu organisieren. In Birzeit ist es so, dass spezielle Busse durch die Stadt fahren und die Studenten unterwegs einsammeln, um sie zur Universität zu bringen. Eine Besonderheit dieser Busse war, dass es sowohl für den Universitäts-Bus, als auch für die Sammeltaxis, welche als öffentliches Verkehrsmittel dienen, in ganz Westbank keine festen Abfahrtszeiten gibt. Die Sammeltaxis und auch die Universitäts-Busse warten an einer bestimmten Haltestelle so lange, bis sie voll sind und fahren erst dann los. Der Universitäts-Bus ist meist eine Runde durch die Stadt gefahren, wenn er nicht voll genug war, um noch weitere Studenten die auf dem Weg zur Haltestelle waren einzusammeln und fuhr erst dann zur Universität.
An der Universität angekommen, begann auch schon der erste richtige Arbeitstag. Zeitlich konnte ich selbst bestimmen zu welcher Uhrzeit ich beginne. Wir einigten uns auf 9:30 Uhr. Was, wie ich finde, eine sehr angenehme Zeit für den Arbeitsbeginn ist. Wobei eine halbe Stunde früher oder später zu kommen absolut kein Problem war.
Um auf die eigentliche Arbeit zu kommen, waren meine Aufgaben das Aufreinigen von DNA-Proben und die Untersuchung dieser mittels PCR. Dabei fand ich die Tatsache, dass ich die Möglichkeit hatte, sehr selbstständig zu arbeiten und es dennoch zu jeder Zeit möglich war, Fragen zu stellen und mit den Betreuern die Methodik sowie den theoretischen Hintergrund zu besprechen, ausgesprochen lehrreich. Besonders gefallen hat mir, mit welchem Enthusiasmus mir die Methoden, deren Funktionsweise, Zweck und die damit zusammenhängenden Tipps und Tricks sowie die Problemstellung und der Gedanke hinter dem Lösungsansatz nähergebracht wurden, sodass ich eine ganze Menge an Erfahrungen und Wissen für meinen weiteren Werdegang aus diesem Praktikum mitnehmen konnte.
Dafür bin ich äußerst dankbar.
In meiner Freizeit war ich oft mit anderen Studenten von der Uni in Cafés unterwegs und bekam so eine Menge von Birzeit und auch der Stadt Ramallah, welche die größte in der Umgebung ist, zu sehen.
Die Menschen Palästinas sind äußerst gastfreundlich und hilfsbereit. So war ich am ersten Wochenende bei meiner Professorin zum Essen eingeladen. Und ich kann sagen, dass schon das palästinensische Essen ein sehr guter Grund ist das Land ein weiteres Mal zu besuchen. Auch in Cafés und Supermärkten wurde einem oft das Gefühl vermittelt willkommen zu sein.
An den arbeitsfreien Tagen, die in Palästina Freitag und Sonntag sind, war es mir auch möglich andere Städte wie Betlehem, Jericho und Jerusalem zu besuchen. Durch die Hilfsbereitschaft der Menschen war es mir problemlos möglich auch alleine zu reisen. Von Ramallah kommt man für etwa 20 ILS sowohl nach Betlehem, als auch nach Jericho und Jerusalem, was mit umgerechnet 4 € für eine 60 minütige Fahrt recht günstig ist. Der Eindruck, den diese Trips hinterlassen haben, ist schwer in Worte zu fassen. So waren nicht nur die Städte mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten, sondern auch die Fahrt dorthin und die atemberaubende Landschaft unterwegs ein unvergessliches Erlebnis.
Zusammenfassend war es ein tolles Praktikum, in dem ich eine ganze Menge über das Land, die Kultur und natürlich auch sehr viel im wissenschaftlichen Bereich lernen konnte. Ein Praktikum an der Birzeit Universität kann ich somit nur empfehlen!