Russland – Moscow Technological University

Nach vielerlei Vorbereitung war ich am 14.09.2017 endlich soweit, meine Reise nach Moskau anzutreten. Dabei sollte ein einmonatiges Praktikum an der „Moscow Technological University“, auch als „МТХТ“ abgekürzt, absolviert werden. Da ich Chemie studiere, handelte es sich um ein Praktikum am „Department of Physical Chemistry“.
Etwa zwei Wochen vor meiner Abreise hatte ich von Yuliya, welche sich um die Belange der IAESTE Studenten in Russland kümmert, bereits eine Mail mit notwendigen Informationen bekommen. So erhielt ich eine detaillierte Beschreibung des Weges zum Wohnheim, des Weges zum Moscow Student Center, Orientierungshilfen und weitere praktische Tipps.
Angekommen bin ich an einem Donnerstag gegen 17:30 am Flughafen „Vnukovo“ (VKO). Dieser ist für Studenten, deren Wohnheim an der Metrostation „Yugo-)apadnaya“ liegt, sehr zu empfehlen, da es eine Bus-Direktverbindung gibt. Am Flughafen konnte ich auch direkt eine russische SIM-Karte erwerben. Leider hatte ich im Voraus nicht die Zeit, effektiv Russisch zu lernen. Nur das kyrillische Alphabet hatte ich einigermaßen im Kopf. Entsprechend schwer fiel die Kommunikation, denn selbst in Moskau können nur wenige Russen Englisch. Teilweise konnte man sich mit Deutsch besser verständigen!
Um an Rubel zu kommen empfehle ich, Geld mit Visa-/Maestro- oder Mastercard am
Bankautomaten abzuheben. Davon gibt es in Moskau genug. Nachdem ich den Flughafen verlassen hatte, war es nicht schwer, das Wohnheim zu finden. Über Whatsapp kommunizierte ich mit meiner Kontaktperson, die mir auch das Zimmer
zeigte und für die Registrierung notwendige Formalitäten erledigte. Ich kam in ein Zimmer mit zwei weiteren IAESTE Studentinnen. Die Einrichtung war eher spartanisch, aber in unserem Fall ausreichend. Das Bad wurde mit zwei weiteren Zimmern geteilt. Kochen erwies sich als schwierig, da kein Geschirr zur Verfügung gestellt wurde. Auch Teller und Ähnliches mussten mitgebracht oder gekauft werden. Waschmaschinen und Wäschetrockner waren jedoch vorhanden. Aus uns in diesem Wohnheim untergebrachten IAESTE Studenten bildete sich schnell eine nette Gruppe. Es kam selten vor, dass man etwas allein unternehmen musste.
Mein erster Arbeitstag war schnell vorbei. Ich wurde um 15:00 abgeholt und traf auf meinen betreuenden Professor. Dieser gab mir zunächst einen Überblick über mein Aufgabengebiet, war dann aber mehr daran interessiert, mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Moskaus nahezulegen. Das half mir bei meiner Sightseeing-Planung sehr, denn wer gibt schon bessere Tipps als ein echter Moskauer? Nach einer Stunde konnte ich auch schon wieder gehen. Die tatsächliche Arbeit begann erst am folgenden Montag. Ich habe während des Praktikums selbst viel dazulernen können. So erstellte ich Phasendiagramme von Lösungen, die Flüssigkristalle enthielten. Anhand dieser sollte die Gültigkeit einer neuen Modelling-Methode zur Berechnung von Hansen-Löslichkeitsparametern getestet werden. Ich konnte also selbstständig arbeiten. Mein betreuender Professor stand mir bei Fragen jedoch stets zur Seite. Es sollte erwähnt werden, dass Labore und Arbeitsschutz in Russland anders gehandhabt werden als in Deutschland. Wer also in einem Syntheselabor arbeitet, sollte sich definitiv Kittel und Schutzbrille mitbringen. Auch die Arbeitsmethoden sind anders. Aufgrund fehlender Forschungsgelder und komplizierter Importbestimmungen muss teilweise sehr viel improvisiert werden. Darauf sollte man sich einstellen.
Da ich regulär 8 Stunden am Tag arbeitete, blieb unter der Woche leider nicht viel Zeit für Ausflüge. Das musste am Wochenende natürlich nachgeholt werden! Das IAESTE Moskau Lokalkomitee zeigte sich dabei sehr engagiert. So organisierten sie Bootstouren, einen gemütlichen Filmabend mit einem russischen Klassiker, Ballettkarten und vieles mehr. Diese Treffen gaben die Möglichkeit, das Lokalkomitee selbst und auch die IAESTE Praktikanten aus anderen Wohnheimen kennen zu lernen. Zudem halfen die Moskauer bei allgemeinen Fragen und Problemen, wie zum Beispiel der Organisation von Städtetrips. Viele Studenten nutzten drei bis vier Tage, um St. Petersburg zu besichtigen. Ich schaffte diese Reise innerhalb der vier Wochen leider nicht, konnte dafür aber etwas mehr von Moskau selbst mitbekommen. So ging es beispielsweise zunächst in das Zentrum zum Roten Platz. Schon hier fiel auf, dass es allgemein sehr viele Sicherheitskontrollen gibt. Das kann zu Stoßzeiten stressig werden. Es ist generell sehr empfehlenswert, immer genug Zeit einzuplanen. Die Metro ist zwar gut ausgebaut und schnell, jedoch handelt es sich bei Moskau auch um eine riesige Stadt. Fünf Stationen können sich auch als 20 minütige Fahrt erweisen! Da es selbst mit Reiseführer manchmal schwierig ist, sich für eine „Attraktion“ zu entscheiden, folgen nun einige Tipps:
Ein Bootstour auf der Moskwa zu Beginn des Besuches bietet eine bequeme Variante, sich ein Bild vom Zentrum der Stadt zu machen. Die Tickets kosten etwa 400 Rubel und Boote fahren täglich. Auch ein Ausflug in das Moskauer Planetarium ist lohnenswert. In einer riesigen, beeindruckenden „Large Star Hall“ werden stündlich Vorführungen abgehalten. Jedoch sollte man hier vorher schauen, um welche Art der Vorführung es sich handelt. Die Dokumentationen werden eher trocken gehalten. Bei schönem Wetter ist ein Besuch im Zarizyno Park sehr zu empfehlen. Es handelt sich um eine gigantische Parkanlage, in der man gut ein Picknick abhalten oder einfach entspannen kann. Souvenirs und Postkarten findet man am Alten und Neuen Arbat. Anders als in vielen Städten ist es in Moskau eher schwierig, Souvenirgeschäfte zu finden. Der Arbat bietet eine entsprechende Auswahl. Der Kauf von Briefmarken in Moskau stellt eine echte Herausforderung dar. Zwar ist das Porto günstig, jedoch erhält man Briefmarken fast ausschließlich in Postämtern. Ohne Russischkenntnisse ist die Orientierung dort eher schwierig. Es empfiehlt sich, einen russischen Freund mitzunehmen oder die Briefmarken in Postämtern in touristischen Gegenden zu kaufen.
Im Allgemeinen kann man sagen, dass ein einmonatiger Aufenthalt in Moskau mit vielem Besichtigen und Essen gehen vergleichsweise günstig ist. Ich habe insgesamt etwa 600€ ausgegeben. Es ist trotzdem empfehlenswert, etwas mehr mitzunehmen, da es immer zu Zwischenfällen kommen kann. So muss man bei Krankheit oder Verletzung anfallende Arztkosten zunächst selbst tragen bevor man sie von der Versicherung erstatten lassen kann.
Ich habe den Aufenthalt in Moskau als ein sehr interessantes, bereicherndes und schönes Erlebnis empfunden. Trotz Sprachbarriere konnte ich so einige interessante „GoogleÜbersetzer“ Unterhaltungen führen und habe auch das ein oder andere Wort gelernt. Es war spannend, die Mentalität der Moskauer kennen zu lernen und mitzuerleben. Ich kann einen solchen Aufenthalt mit IAESTE wirklich nur empfehlen.