Oman - Sultan Qaboos University
Seit ich vor 3 Jahren zum ersten Mal von IAESTE erfahren habe, habe ich jedes Jahr die Vorbewerbungsrunde mitgemacht. Mangels Zeit während der ’Semesterferien’ habe ich mich jedoch letztendlich nie dazu durchgerungen, mich auf einen Platz zu bewerben. So auch eigentlich dieses Jahr. Durch einen Zufall jedoch erfuhr ich über eine Freundin von einem Praktikumsplatz im Oman, der wie auf mich zugeschnitten zu sein schien. Ursprünglich gar nicht für meine Fachrichtung gedacht, habe ich mich trotzdem darauf beworben und siehe da, gut ein paar Wochen später stand ich am Flughafen Tegel mit den Boardingpässen in der Hand.
Reisetechnisch, hatte ich mir vorher nur die empfohlenen Impfungen und Medikamente besorgt. Nicht mal ein Visum musste ich beantragen, da man dieses als Deutscher Staatsbürger problemlos dort am Flughafen erhalten kann. Für 30 Tage und als Tourist wohlgemerkt. Das Visum lässt sich dann vor Ort für längere Aufenthalte bequem für 30 Tage verlängern und kostet jedes Mal knapp 50e. Das geht zum Beispiel am Flughafen. Vor meiner Abreise hatte mich nur minimalistisch mit dem Land nd seiner Kultur auseinandergesetzt, um möglichst vorurteilsfrei dort meine eigenen Erfahrungen sammeln zu können. Außer einer kleinen Broschüre von IAESTE Oman hatte ich nichts gelesen. Dort standen ein paar nützliche arabische Worte und die Bitte drinnen lange Sachen zu packen. Klingt erst einmal kontra intuitiv bei der Hitze, aber etwas was ich zukünftigen Praktikanten an Herz legen würde, was spezielles Packen angeht. Offiziell besteht zwar keine Pflicht dazu, aber es ist respektvoll der dortigen Kultur gegenüber. Ansonsten war natürlich noch ausreichend Sonnenschutz an Board.
Als ich nach guten 11 Stunden Reise mitten in der Nacht mit reichlich Verspätung in Maskat landete, wusste ich also herzlich wenig und hatte zudem nur einen einzigen Kontakt von IAESTE vor Ort. Mental war ich also auf alles vorbereitet. Wie sich herausstellte war jedoch jede Sorge unberechtigt. Als ich mich ins W-LAN des Flughafens einloggte fand ich auf meinem Telefon schon eine Willkommensnachricht. Keine viertel Stunde später wurde ich von einem unglaublich freundlichen IAESTE Freiwilligen vom Flughafen abgeholt und zur Unterkunft gebracht.
Dort lernte ich dann auch schon die ersten Vertreter der sympathischen IAESTE Prakitkantentruppe hier kennen. Es war eine bunte Truppe aus allen möglichen Teilen der Welt. Offen, gesprächig, hilfsbereit und total umgänglich und wie ich im Verlauf des Praktikums lernte, traf das ausnahmslos auf alle zu. Untergebracht waren wir alle in Doppelzimmern in einem 8 stöckigen Haus mit geteilten Bädern und Küchen. Das Haus wurde von der Universität zur Verfügung gestellt und die Miete betrug umgerechnet 350e pro Monat. Männer und Frauen waren in unterschiedlichen Stockwerken untergebracht.
Verglichen mit dem europäischen Standard waren die Apartments/Zimmer in Ordnung. Die Ausstattung war auf das Minimum beschränkt. Hygienisch waren die Bäder und Küchen aber nicht gerade in einem top Zustand. Nach einer kurzen Nacht ging es am nächsten Morgen schon um kurz nach 6 mit einem Shuttle-Bus los zum Frühstück in die Uni. Im Laufe des Tages lernte ich nach und nach immer mehr internationale Studenten aus dem IAESTE Programm kennen, die mich abwechselnd unter ihre Fittiche nahmen und mich über alles aufklärten. Schließlich traf ich auch den IAESTE Leiter an der Uni der mir meinen Arbeitsplatz zeigte. Dort bekam ich wie vorher per E-Mail mit meinem Betreuer abgesprochen von einem studentischen Mitarbeiter der Uni meine Aufgabe zugeteilt an der ich sogleich zu arbeiten begann. Dazu hatte ich meinen eigenen Schreibtisch in einem Büro, dass ich mir noch mit 3 anderen studentischen Mitarbeitern teilte. Meine Arbeite wurde, unterbrochen von einem Mittagessen in der Uni-Mensa, zum Inhalt meines Alltages. Bis 16 Uhr jedenfalls. Dann kam ein Bus um alle IAESTE Praktikanten an der Uni wieder abzuholen und zur Unterkunft zurück zu bringen.
Der Ablauf war also recht gut organisiert. In der Unterkunft konnte man dann den Rest des Tages verbringen, gemeinsam Aktivitäten aushecken und umsetzen. Zum Strand gehen, in die Stadt einkaufen oder auch zum ’Sightseeing’ fahren, nur um ein paar Beispiele zu nennen.
Egal was, man fand immer Gleichgesinnte. An Wochenenden, konnte man mit unter etwas größere Ausflüge unternehmen. Manchmal sogar von IAESTE Oman organisiert. So kam es dass man nicht nur das Ein oder Andere touristische von Maskat sah sondern von den Omanis auch etwas weniger touristische Ecken gezeigt bekam.
Die Verpflegung wurde von der Universitätskantine zur Verfügung gestellt. Morgens und Mittags auf dem Campus und abends angeliefert in der Unterkunft. Das Essen bestand hauptsächlich aus Reis und Fleisch bzw. Reis und Huhn. Ab und zu gab es auch Mal etwas anderes, aber in 90% der Fälle war Fleisch dabei. Sollte man eine vegetarische Ernährung bevorzugen, dann hatte man also nicht so viele Optionen.
Das Wetter war extrem heiß. Während meines Aufenthaltes bewegten sich die Temperaturen zwischen 40°C und 50°C. Sich außerhalb von klimatisierten Räumlichkeiten war also nur begrenzt möglich. Die Infrastruktur im Oman ist gut ausgebaut, jedoch nicht für Radfahrer und Fußgänger. Sollte man es trotzdem versuchen wollen, dann sind die Distanzen jedoch so groß, dass es wenig Sinn macht. Man ist also auf ein Auto angewiesen. Entweder in Form eines Taxis oder das eines Anderen. Zum Glück ist es jedoch kein Problem per Anhalter zu fahren und man trifft auf diese Weise auch sehr freundliche Einheimische. Man wartet selten länger als ein paar Minuten bis man mitgenommen wird. Die Omanis sind generell unglaublich hilfsbereit und freundlich. Es ist keine Seltenheit, dass man zum Essen eingeladen oder in längere Gespräche verwickelt wird und da viele recht gutes Englisch sprechen, gibt es auch wenig Verständigungsprobleme.
Kulturell war der Oman auch eine sehr interessante Erfahrung. Wie zu erwarten ist der Oman natürlich durch und durch vom islamischen Glauben geprägt, jedoch sind die Omanis sehr akzeptierend gegenüber anderen Religionen und Meinungen. Ich habe mich zu keinem Moment unwohl gefühlt, wurde nicht komisch angesehen oder gesondert behandelt. Trotzdem sollte man sich natürlich ein wenig mit den Gepflogenheiten des islamischen Glaubens auskennen, um sich respektvoll verhalten zu können. Was im Oman besonders ist, im Vergleich zu anderen Ländern im Mittleren Osten, ist die gesetzliche Gleichstellung von Mann und Frau. Zwar ist der gesellschaftliche Druck auf Frauen vor Ort nach wie vor groß ein bestimmtes Rollenbild zu erfüllen, aber für Besucher von außerhalb bekommt man davon nichts zu spüren.
Meine Arbeit während meines Aufenthaltes befasste sich mit der ’Diagnose von Schlaf-Apnoe an Hand eines EKG-Datensatzes’. Mein Betreuer hatte dazu bereits einen Algorithmus entwickelt und ich sollte nun eine alternative Methode erproben, in der Hoffnung, dass diese noch genauere Vorhersagen erbringen würde. Nachdem ich mich gut 3 Tage mit der Aufgabe vertraut gemacht und mich eingelesen hatte, konnte ich endlich loslegen. Ich widmete mich zuerst dem Datensatz und visualisierte ihn. Dann begann ich mit der Aufbereitung der Daten und im Anschluss mit der Klassifizierung, was mehre Wochen in Anspruch nahm. In dieser Zeit schaffte ich es die Methode soweit zu verfeinern, dass sie der meines Betreuers ebenbürtig war. Unglücklicherweise scheiterten jedoch alle Versuche auf eine Verbesserung der Ergebnisse und so verbrachte ich restliche Zeit frustriert mit der Dokumentation meiner Arbeit. Da es mir aber keine Ruhe ließ und die Berichterstattung streckenweise ziemlich trocken war, beschloss ich mich doch noch ein letztes Mal mit der Methode auseinander zu setzen.
Ein paar Tage vor Ende des Praktikums passierte, was ich fast schon für unmöglich gehalten hatte. Die neue Methode übertraf tatsächlich die Alte um einen nicht unerheblichen Prozentsatz. Es hatte also im letzten Moment doch noch funktioniert. Mein Betreuer war hocherfreut und ich natürlich auch. Mein Praktikum hatte also am Ende doch noch Früchte getragen.
Rückblickend kann ich nur sagen, dass die 6 Wochen Praktikum mit IAESTE im Oman gefüllt von vielen unbeschreiblichen und reichhaltigen Erfahrungen war. Ich habe ein mir bis dato unbekanntes Land kennen- und schätzen gelernt. Seine Kultur, seine Leute und seine Landschaft erkunden dürfen. Ich habe mich auf professioneller wie auf persönlicher Ebene weiterentwickeln können und zu guter letzt habe ich zahlreiche neue Freunde gefunden und unglaublich tolle Menschen kennen gelernt. Sowohl aus den Reihen von IEASTE, als auch aus dem Oman. Es war eine wunderschöne Zeit und ich bin froh dabei gewesen zu sein. Ich werde meine Zeit im Oman in guter Erinnerung behalten. Danke IAESTE und danke Oman.