Mongolei - Mongolian University of Science and Technology
Der Praktikumsplatz
Die Mongolei ist ein Land, bei deren Namen abenteuerliche Bilder von der weiten menschenleeren Landschaft, Straßen- und Verkehrsverhältnissen der etwas „anderen Art“ oder Hammelfleisch satt in Reisschalen entstehen. Und eben solche Bilder wurden bestätigt als ich im November für zwei Monate nach Ulaanbaatar (UB) ging, um dort ein Praktikum anzutreten.
Meine Praktikumsstelle war die „Mongolian University of Science and Technology“ (kurz: MUST). Dort arbeitete ich am Lehrstuhl für Marketing der „Computer Science and Management School“, einer Universitätsabteilung, die mit der deutschen Fakultät gleichzusetzen ist.
Nachdem ich per Flugzeug in UB angekommen war, wartete schon eine Mitarbeiterin vom International Office der MUST am Chinggis-Khaan-Flughafen, um mich zu meiner Unterkunft sowie anschließend zu meinem zukünftigen Arbeitgeber zu bringen. Dies geschah wie ortsüblich mit einem PKW, den man heran winkte. Im Auto wurde anschließend der Preis ausgehandelt. Da in der Universität keiner so recht wusste, in welche Abteilung man die neue Praktikantin am besten schicken sollte, wurde zunächst geklärt, welche Art von Arbeit ich mir vorstelle und was ich könne. Nach drei Tagen wurde dann der Marketinglehrstuhl „auserkoren“ mich sowie mein selbstgewähltes Projekt über die Abfallwirtschaft Ulaanbaatars zu betreuen. In dem Department sind sehr nette und liebe Mitarbeiter beschäftigt. Doch aufgrund der großen Sprachbarrieren (die Mitarbeiter konnten nur sehr gebrochenes Englisch sprechen und ich war der mongolischen Sprache nicht mächtig) verblieb es bei der Kommunikation bei allgemeinen Themen wie dem Wetter und dem gegenseitigen Befinden. Bei Unklarheiten bezüglich meines Projektes musste ich mich daher selbstständig zurechtfinden. Dadurch hatte ich natürlich alle Freiheiten, was die Gestaltung meiner Arbeit anging. Dennoch hätte ich mir manchmal mehr Unterstützung seitens des Lehrstuhls gewünscht.
Probleme mit dem Immigration Office
Diese erhielt ich jedoch als es zu Schwierigkeiten mit dem Immigrations Office kam. Geht man für einige Zeit ins Ausland, sollte jedem bewusst sein, dass man neben unvergesslichen Erlebnissen und einmaligen Erfahrungen ebenso mit Problemen konfrontiert wird. Den ersten Schwierigkeiten begegnete ich bereits noch in Deutschland. Es gab einige Hürden mit der Ausstellung meines Visums – angeblich fehlten noch Unterlagen vom Immigrations Office in Ulaanbaatar. Letztendlich wurde einfach in der Mongolischen Botschaft in Berlin rumgeschlampt. Später gab es dann noch viel Freude mit dem Immigration Office: laut der Behörde soll man sich innerhalb einer Woche nach Ankunft in der Hauptstadt beim Immigrations Office melden. Dieses gibt einem daraufhin in den Reisepass den Einreise- sowie den Ausreisestempel (ohne Letzteren darf man die Mongolei nicht verlassen) - zumindest im Idealfall. Doch da mir dank der Mongolischen Botschaft in Berlin das Visum falsch ausgestellt wurde (eigentlich sollte man meinen, dass eine stattliche Behörde, die täglich Visumsanträge bearbeitet, ihr Handwerk versteht), wurde mir letzterer Stempel verweigert. Und somit nahm der Marathon zum Immigrations Office seinen Lauf. Nachdem ich sechs Mal während meines Mongoleiaufenthaltes da war, mit den dortigen Angestellten mal mehr und mal weniger laut diskutierte, ein zusätzliches Entgelt zahlen durfte, die Kantinenpreise auswendig aufsagen konnte, einem missglückten Diebstahl einiger Utensilien meines Rucksackes im Bus zur Behörde entkam und beim allerletzten Gang zum Immigrations Office mit einem kleinen Aufgebot an mongolischer Unterstützung (neben der Fakultätsleiterin und einer Dame vom International Office der Universität, ebenso dem Executive Director eines großen mongolischen Kommuni-kationsanbieters), bekam ich den erlösenden Ausreisestempel. Beinahe schade! Da mich bereits einige Angestellte kannten, steuerte das fast schon zu einer familiären Atmosphäre bei. Durch diesen Fall wurde mir einmal mehr deutlich, dass Beziehungen in der Mongolei das A und O sind.
IAESTE Mongolei
Der Kontakt zu IAESTE Mongolia verlief insofern gut, dass die Unterkunft in einem Studentenwohnheim organisiert sowie zum Ende hin eine Bestätigung meines Aufenthaltes ausgestellt wurde. Ansonsten hätte ich mir Unterstützung bei meinen Problemen mit dem Immigrations Office gewünscht. Ausflüge ins Umland o.ä. wurden leider zu dieser Zeit des Jahres nicht mehr angeboten, aber das tat dem Entdeckungsdrang natürlich trotzdem keinen Abbruch. Vor Ort machte ich schnell Bekanntschaft mit anderen Praktikanten sowie Mongolen. So ging es gemeinsam per Tourbus durch die Gobi, via Zug nach Saindshand (Zug- und Busfahren ist ein absolutes Muss in der Mongolei!), zu Fuß zum Zaisan (dem Hausberg Ulaanbaatars) oder per Überlandbus in das verschlafene Heimatdorf einer mongolischen Freundin.
Die Unterkunft
Untergebracht war ich in einem Studentenwohnheim, das ca. 2 km von meinem Universitätsstandort entfernt lag. Das Zimmer teilte ich mir entgegen des mongolischen Standards nicht mit drei, sondern nur mit einer anderen Person (ebenfalls eine deutsche Praktikantin). Als ich in Ulaanbaatar ankam, waren dort noch drei weitere Deutsche sowie zwei Österreicher. Ich fand es schade, dass man uns Deutschsprachige nicht mit den Mongolen oder den anderen Nationalitäten auf Zimmer aufteilte, sondern uns einen extra Flurtrakt zuwies. Das machte den Kontakt zu den Einheimischen ein wenig schwieriger, aber mit ein wenig Offenheit und Geduld konnte auch diese „Hürde“ erfolgreich bestanden werden.
Wetter und Infrastruktur
Bereits an meinem dritten Tag fing es an zu schneien. Ab dann ging es mit den Temperaturen relativ schnell abwärts. Für entsprechende Kleidung jenseits der –20-Grad-Marke sollte demnach gesorgt werden. Doch da die Kälte trockener ist als in Deutschland empfindet man es bei gleichen Temperaturen nicht ganz so kalt. Auf die Strumpfhosen hätte ich trotzdem nicht verzichten wollen.
Als Entwicklungsland ist die Infrastruktur in der Mongolei und so auch in UB ausbaufähig. Dafür ist jedoch der Bus mit 400 Tugrik ein unglaublich günstiges Fortbewegungsmittel (Fahrrad-fahrer gelten als suizidgefährdet). Die Herausforderung ist nur: „In welchen Bus steige ich ein? Und wann v.a. wieder aus?“ Im Winter kam die Besonderheit hinzu, dass man dank der zugefrorenen Scheiben nicht wusste, wo man sich bereits befand. Busfahrpläne oder gar Busansagen sind europäischer Luxus, von dem man sich in UB verabschieden sollte. Eine Alter-native zum Busfahren stellen die schon erwähnten privaten Taxis dar.
Essen und Trinken
Wie bereits angedeutet sind nur wenige Mongolen dem fließenden Englisch mächtig. Doch aufgrund der sowjetgeprägten Geschichte des Landes kommt man, zumindest bei der älteren Generation, auch mit Russisch gut voran. Ansonsten heißt es bezüglich der Verständigung beim Essen mutig sein, etwas in einem der vielen preisgünstigen Cafés bestellen und sich überraschen lassen, was es ist. Das hat eigentlich immer gut funktioniert.
Fazit
Trotz aufgetretener Schwierigkeiten war und bin ich immer noch von Ulaanbaatar mit seinen Menschen begeistert. Ich habe hier ein paar unglaublich tolle Tage verbracht, die ich nicht mehr missen möchte. Also nicht verzagen und sich von Herausforderungen nicht einschüchtern lassen! In diesem Sinne: Allen wildentschlossenen IAESTE-Praktikanten einen spannenden Aufenthalt mit einmaligen Erlebnissen!