Kasachstan - SKS Universität und Klärwerk
Allgemeine Eindrücke
Ich habe mein IAESTE Praktikum im Süden Kasachstans in Schimkent verbracht. Das Praktikum in Schimkent selbst dauerte 7 Wochen und danach war ich noch eine Woche im etwa 700km entfernten Almaty. Insgesamt war ich also 8 Wochen im Land (9.07.2010-04.09.2010). Für mich war der Aufenthalt in Kasachstan eine sehr positive Erfahrung. Während meiner Reise nach Schimkent habe ich bereits einen kurzen Zischenstopp bei anderen IAESTE Praktikanten in Almaty eingelegt. In Schimkent angekommen war ich erst sehr enttäuscht der einzige Praktikant und wie sich bald herausstellen sollte, überhaupt fast der einzige Ausländer in der Stadt zu sein. Später stellte ich jedoch fest, dass das auch Vorteile mit sich brachte- Nie zuvor hatte ich so persönlichen Kontakt zu Menschen und ihren Familien im Ausland. Auffällig waren die beinahe durchgängig aufgeschlossenen und sehr gastfreundlichen Menschen. Viele, viele Male wurde ich zu familiären Treffen (Geburtstag, Hochzeit, etc.) eingeladen, was eine einzigartige Möglichkeit darstellte das Land kennenzulernen. Ich war in den nahen Bergen (Hochgebirge), in der Steppe, in der 160km entfernten Pilgerstadt „Turkestan“ und konnte viele andere tolle Seiten der zentralasiatischen Natur inklusive ihrer Bewohner kennenlernen. In Kasachstan gibt es viele typische kulinarische Besonderheiten. Dazu zählen Kamelmilch, vergorene Pferdemilch (Kymys), Kwas, kleine getrocknete Quarkbällchen (Kurt) und vieles mehr. Vegetarier oder gar Veganer dürften es hier schwer haben. Nach 8 Wochen in Kasachstan konnte ich für eine ganze Zeit erst einmal kein Fleisch mehr sehen. Interessant sind auch die vielen Ethnien in Kasachstan. Bedingt durch viele Zwangsumsiedlungen wahrend der Stalinzeit und verschiedene andere historische Umstände beherbergt Kasachstan Unmengen verschiedener Volksgruppen. Ich habe schnelle gelernt, europäisch stämmige Menschen (Russen, Deutsche, Ukrainer, …) nicht als Kasachen zu bezeichnen- Das kommt nicht sehr gut an! Neben all den interessanten Eindrücken habe ich jedoch auch negative erfahren mitgenommen. Die kasachische Arbeitsweise ist oft sehr liederlich und unorganisiert. Diesem Umstand habe ich es zu verdanken, dass ich wahrend meines Praktikums so gut wie keine fachlichen Erkenntnisse gewinnen konnte. (Siehe Kritik) Ganz generell ist die kasachische Gesellschaft in vielerlei Hinsicht sehr anders als die deutsche. Das gilt insbesondere für die ursprünglichen Volksgruppen der Region (Kasachen, Usbeken, etc.). Die Trennung der Geschlechter nach bestimmten Rollenbildern ist zum Beispiel sehr ausgeprägt. Vielen männlichen Kasachen scheint es sehr wichtig zu sein ihre Männlichkeit zu präsentieren. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen, ob mit einem hupendem Auto (der Verkehr ist etwas „gewöhnungsbedürftig“), einer Luxuslimousine in Überlänge zur Hochzeit (so etwas sieht man ständig) oder einfach nur mit geschwollener Brust, einer Zigarette und viel Spucke (die sich in regelmäßigen Abständen auf die Straße oder, wenn diese fehlt, in einen Aschenbecher ergießt). Ansonsten sollte man sich in Kasachstan (insbesondere im Süden) darauf einstellen nicht viele englischsprachige Menschen zu treffen. Mein Russisch, auch wenn es sehr schlecht war, hat mir in vielen Situationen geholfen, insbesondere weil ich kyrillisch lesen konnte. Ansonsten sollte man sich im Sommer auf Tagestemperaturen leicht unter 40 Grad einstellen. Die Nachttemperaturen lagen meist zwischen 25 und 30 Grad. Im Winter hingegen ist es aufgrund der Kontinentalität wesentlich kälter. Mein monatlicher Lohn betrug 20.000 Tenge was in etwa 100 Euro entsprach. Dabei war man sehr genau, so dass ich letztlich für die 7 Wochen etwa 30.000 Tenge bekommen habe. Auch wenn mir im Vorfeld gesagt wurde, dass dieses Geld zur Deckung sämtlicher Kosten reichen würde, hat es das nicht. Da ich meine Freizeitig vielseitig gestaltet habe, mich sehr oft mit Freunden in Cafes getroffen und Ausflüge unternommen habe lagen meine Ausgaben schließlich weit über meinem Gehalt. Für die Anreise von Deutschland (Flug, Zug) habe ich im Übrigen etwa 600 Euro bezahlt, jedoch auch einen Fahrtkostenzuschuss des DAAD bekommen (400 EUR). Die besten Eindrücke der kasachischen Natur habe ich schließlich in Almaty bekommen. Die Stadt liegt direkt neben dem sehr hohen Alatau-Gebirge. Hier war ich häufig in den Bergen und sogar auf einem etwa 4000m hoch gelegenen Gletscher.Inhaltliche Gestaltung des Praktikums
Das Praktikum bestand aus zwei Blöcken. Der erste Teil fand in der SKS Universität statt und umfasste 4 Wochen. Hier wurde mir das Labor samt modernen Analysemethoden vorgestellt. Außerdem wurden mir einige Arbeitsmethoden des Akademischen Auslandsamtes der Universität vorgestellt. Weiterhin verbrachte ich Zeit in der englischsprachigen Bibliothek, um Recherchen bezüglich des technischen Hintergrundes von Klärwerken anzustellen. Letztendlich ist dieser Teil jedoch nicht wirklich als Praktikum zu bezeichnen. Hier hatte ich keine festen Arbeitszeiten, konnte also kommen und gehen wann ich wollte und auch machen was ich wollte. Meist blieb ich halbtags und habe mich eher mit dem Schreiben meiner Berichte (für SKS Universität, DAAD, IAESTE) beschäftigt.Den zweiten Teil meines Praktikums verbrachte ich im städtischen Klärwerk von Schimkent. Hier wurden mir alle technischen Einrichtungen gezeigt (Sieb, Sandfang, Absatzbecken, biologische Stufe, Nachklärbecken, etc.). Ich konnte mich frei auf dem Gelände bewegen und in Ruhe die Anlage kennenlernen. Weiterhin wurde mir der zur Anlage gehörende Vorfluter gezeigt. Hier, aber auch anderen Ortes, wurden Wasserproben genommen, die später im Labor, das mir auch gezeigt wurde, ausgewertet wurden. Die Anlage wurde von belgischen Experten betreut, die diverse Rekonstruktionen bewerteten bzw. empfahlen. Mit diesen Experten hatte ich vor Ort Kontakt, so dass ich die Möglichkeit hatte, nach Unterschieden europascher und örtlicher Standards zu fragen. Da die Anlage jedoch meistens automatisch arbeitete, war meine Hilfe bezüglich anlagentechnischer Fragestellung eher selten von Bedeutung. Vielmehr habe ich viel Zeit mit Gartenarbeiten (Baumschnitt, Straßenreinigung, Grasschnitt, etc. verbracht. Allerdings habe ich mich auch nicht gerade überarbeitet. Ich hatte viele Pausen und viel Zeit zum lesen meiner „Privatlektüre“.