Japan - Tohoku Universität, Biological Flow Studies Laboratory

Arbeit:

Für 5,5 Monate verschlug es mich nach Japan an die Tohoku Universität in Sendai, wo ich im „Biological Flow Studies Laboratory“ ein Praktikum gemacht habe. An dem Institut gab es eine Arbeitsgruppe, die experimentell im Labor Strömungen erforschte und eine Gruppe, die die Strömungen am Computer simulierte. Ich gehörte zu der Simulationsgruppe, wurde aber aus Platzmangel in einem anderen Büro untergebracht und war dadurch allein. Mein Betreuer konnte Englisch lesen und schreiben, aber nicht verstehen (das ist recht typisch für Japaner), sodass wir hauptsächlich über E-Mails kommuniziert haben. Geschuldet der Sprachbarriere wurde ich quasi überhaupt nicht eingearbeitet und habe im Verlauf meines Praktikums recht wenig gelernt. Dreimal die Woche gab es Seminare, die größtenteils auf Japanisch gehalten wurden, an denen ich dennoch teilnehmen sollte. Es waren wirklich alle Mitarbeiter unglaublich freundlich, allerdings wurde ich kaum in den Alltag mit einbezogen. Das lag zum einen daran, dass Japaner unglaublich schüchtern sind und sich oft nicht trauen Englisch zu sprechen und zum anderen habe ich meine Gruppe nur während der Seminare gesehen, da ich, wie bereits erwähnt, in einem anderen Büro untergebracht wurde.

An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich einfach Pech hatte, denn viele andere Studenten wurden besser betreut und waren in Arbeitsgruppen, in denen die Mitarbeiter Englisch sprachen.

Die Arbeitszeiten waren sehr flexibel. Japaner bleiben nicht selten bis Mitternacht im Büro, das wird aber auf keinen Fall von den Praktikanten erwartet. Mir wurde gesagt, dass es schon wäre, wenn ich zwischen 9 und 10 Uhr morgens erscheine und bis 17-18 Uhr bleibe, falls dies aber nicht klappt, wäre es auch kein Problem.

Unterkunft:

Ich wurde in einem reinen Frauenwohnheim untergebracht, das erst wenige Monate zuvor eröffnet wurde. Das hatte seine Vor- und Nachteile. Das Wohnheim ist hübsch eingerichtet und sehr sauber. Einige Dinge waren aber noch nicht ganz durchdacht. Wir hatten beispielsweise nur zwei Kühlschränke für 36 Bewohner und keine Räumlichkeiten, um Wäsche im Winter zu trocknen. Es gab Kameras in den Fluren und in der Küche, was ich als sehr unangenehm empfunden habe. Außerdem wurde uns nicht erlaubt Besuch zu empfangen. Für die kurze Zeit, die ich da war, war es allerdings in Ordnung, denn die Mädchen und auch die Betreuer waren alle sehr freundlich. Mein 7 m2 Zimmer war ausgestattet mit einem Bett, einem Schreibtisch, einem Schreibtischstuhl, einem kleinem Regal und einem provisorischen Kleiderschrank. Im Winter konnte es teilweise sehr kalt werden, da das Haus nicht isoliert war und es nur einen Heizlüfter gab.

Bezahlung:

Nach etwa einem Monat in Japan habe ich mein Gehalt bekommen und zwar die Summe für den gesamten Aufenthalt in bar. Pro Monat waren es 96.000 Yen. Die Miete betrug 45.000 Yen im Monat und eine einmalige Gebühr von 30.00 Yen, die beim Auszug nicht zurückgezahlt wurde. Vermutlich hätte man mit dem restlichen Geld auskommen können, wenn man in seiner Freizeit nicht so viel unternimmt, selbst kocht, statt in der Mensa zu essen und nur die japanischen Lebensmittel einkauft. Ich war allerdings viel unterwegs, habe vieles ausprobiert und erlebt und musste auf meine Ersparnisse zurückgreifen.

IAESTE Japan:

Die IAESTE Mitglieder waren alle sehr nett. Meine Kontaktperson hat immer versucht mir zu helfen so gut es geht, leider war er oft selbst nicht ausreichend informiert, so dass es zu einigen Ungereimtheiten kam. Z.B. hat eine andere IAESTE Praktikantin eine Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel bekommen, ich jedoch nicht. An meinem ersten richtigen Tag in Japan, kam er mich im Wohnheim besuchen, um mit mir den Papierkram zu erledigen und hat mir gezeigt, wo und wie ich in der Nähe einkaufen kann. Die IAESTE Gruppe war ansonsten leider nicht engagiert. Es gab zwei von ihnen organisierte Treffen während meiner 5,5 Monate in Japan.

Fazit:

Trotz der Tatsache, dass ich wirklich Pech mit meiner Arbeitssituation hatte und mir gewünscht hätte, dass das IAESTE Team uns die japanische Kultur etwas näher gebracht hätte, hatte ich eine wundervolle Zeit in Japan. Das Gute als Austauschstudent in Japan ist, dass man die anderen Austauschstudenten sehr leicht erkennt und dadurch auch schnell kennenlernt. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt und zusammen haben wir fast jedes Wochenende Ausflüge gemacht, um uns das Land anzuschauen oder uns an den Abenden getroffen. Durch die vielen neuen Kontakte konnte ich an Veranstaltungen von anderen Organisationen teilnehmen. Beispielsweise haben wir an einem Nachmittag gelernt wie Mochi hergestellt werden und durften mithelfen. Es gab Teezeremonien, Ausflüge zu Tempeln und selbstverständlich auch Partys. Ich reise wirklich gerne und bin schlichtweg begeistert von der japanischen Landschaft, den vielen wunderschönen Tempeln und der japanischen Kultur. Japaner sind sehr schüchtern, aber dennoch unglaublich hilfsbereit, freundlich und umsichtig.