Iran - Universität Teheran, Institut für Biochemie und Biophysik

Ich hatte den festen Entschluss im Laufe meines Masters noch ins Ausland zu kommen, am besten so weit weg wie möglich. Wodurch ich auf die Organisation IAESTE gestoßen bin und sofort meinen Traum in einem exotischen Land, neue Kulturen und Arbeitsweisen kennen zu lernen, vor mir sah. Als ich die Liste der verschiedenen möglichen Länder sah, kam eigentlich nur eine Stadt in Frage, auf Grund der Praktikumslänge, dem Zeitraum und Arbeitsbereich und das war Teheran. So mit Schicksal, als ich dann die Zusage für den Iran bekam und in ein Land flog, bei dem ich niemals gedacht hätte, es jemals bereisen zu werden. Es war mitten in der Nacht als ich auf dem riesigen Khomeini Flughafen am Rand von Teheran ankam. Sofort wurde ich von allen Menschen angestarrt, trotz meinem Versuch mich der Kleiderordnung anzupassen, mit Kopftuch und langer Kleidung. Die gesamten 6 Wochen hindurch verfolgte mich das Gefühl ein Tier im Zoo zu sein, oder auch ein europäischer Tourist im Iran. Leider musste ich am Flughafen 1 ½ Stunden warten, da mein zuständiger Betreuer wohl nicht so viel Wert auf Pünktlichkeit legte, auch das musste ich in der Zeit lernen, nicht alle Kulturen sind so pünktlich wie die Deutschen. Daher erste Panikgefühle, allein in so einem Land auf einem Flughafen ohne zu wissen was als nächstes passieren wird, nicht mal WLAN. Als er dann endlich kam, gingen wir raus in die Smog geschwängerte Luft von Teheran. Es roch ganz anders, es war ungewohnt warm für die Uhrzeit und wir waren umringt von hunderten von alten Autos. Wir fuhren einige Zeit bis wir zu meinem Wohnheim kamen. Auf dem Weg versuchten wir uns zu unterhalten, jedoch stellte das sich als relativ schwierig heraus, da offensichtlich das Bildungsniveau und somit auch das Vermögen Englisch zu sprechen der Iraner relativ niedrig ist. Er brachte mich also zu meinem Wohnheim und musste dann auch sofort wieder los und ließ mich mit zwei fremden Frauen in der Eingangshalle des Wohnheimes zurück, welche kein Wort Englisch sprechen konnten. Wieder stieg leichte Panik auf, besonders als sie mich in ein Zimmer in den Keller brachten und deuteten ich solle da jetzt schlafen, umringt von Stockbetten, alten Decken und ein paar Kakerlaken verbrachte ich also meine erste Nacht in Teheran. Die Wohnsituation besserte sich dann doch ein wenig als mich andere Studenten von IAESTE Iran abholten und in das richtige Wohnheim brachten. Frauen und Männer waren getrennt, wir durften die jeweils anderen Wohnheime nicht betreten. Außerdem mussten wir um 23:30 spätestens wieder in unseren Zimmern sein, das wurde auch jeden Abend kontrolliert. Das Praktikum begann am zweiten Tag, da ich Donnerstagnacht kam, und das Wochenende in der islamischen Kultur Donnerstag und Freitag ist, somit beginnt die Woche mit einem Samstag. Leider war das Praktikum nicht so wie erwartet bzw. nicht so wie ich andere Laborpraktika zuvor kannte. Ich machte mein Praktikum am Institut für Biochemie und Biophysik und ich sollte mich mit der Kinetik des Enzyms Insosinmonophosphat Dehydrogenase beschäftigen. Die ersten 2 Wochen machte ich nur Literaturrecherche und schrieb eine Review zum Thema, da wir laut meiner Professorin noch keine Experimente machen können, da ihre Studenten noch Ferien haben. Als die Ferien vorbei waren, dauerte es jedoch noch mal eine Woche bis die Studenten dann auch wirklich auftauchten. Ich freute mich schon darauf endlich etwas Praktisches machen zu können und ihre Arbeitsmethoden beigebracht zu bekommen. Doch leider passierte davon gar nichts. Ich durfte keinen einzigen Handgriff im Labor machen, keine Pipette anfassen, nicht mal Eis holen. Meine Aufgabe bestand darin einer Post Doc zuzusehen, wie sie einem Masterstudenten zeigte und erklärte wie verschiedene Arbeitstechniken funktionieren, er mühsam versuchte das Erklärte ins Englische zu übersetzen und ich schrieb dann dazu ein paar Stichworte auf. Da aber das Zeitgefühl der Iraner komplett unterschiedlich wie in Deutschland ist, kam dabei nicht viel mehr raus als ein ELISA, ein SDS PAGE und ein Aktivitätsessay. Darüber schrieb ich dann einen sehr kurzen Bericht, den ich meiner Professorin abgab und das war im Grunde dann mein Praktikum an der Universität Teheran. Ich habe also in meinem Praktikum eigentlich kaum was gelernt und sehr viel Zeit vor dem Computer verbracht. Jedoch habe ich einige Tage frei bekommen um mit einigen Arbeitskollegen das Land zu bereisen, wodurch ich die unglaubliche Schönheit des Landes Iran (Wüsten, hohe Berge, kaspisches Meer und Aladin Städte wie Yazd) und die unverkennbare Gastfreundlichkeit des Irans erleben durfte. Man spürte in jeder Stadt, dass das Volk sehr stolz ist und dir all ihre Gebräuche, Essen, Sprache, Kleidung, Musik, Geschichte näher bringen möchte, wodurch man jeden Tag so viele neue Sachen gelernt und kennen gelernt hat. Allgemein war das Reisen im Iran sehr einfach, da einerseits alle Menschen dir helfen möchten, dich nach Hause zum Essen einladen, dir den Weg zeigen oder dich sogar zu deinem nächsten Ziel selber bringen und auch anderseits, da es unglaublich billig ist und ich so zum Beispiel von Teheran zum kaspischen Meer (5 Stunden Autofahrt) mit dem Taxi 30 Euro gezahlt habe oder mit dem Bus nach Kashan (3-4 Stunden) 3 Euro. Die Tage in Teheran waren fast immer dasselbe. Wir waren eine große Gruppe von Europäern, die sich dann meist nach den Praktika im Park mit Limonaden getroffen haben oder in einer die unzähligen Shisha Bars zum Shisha rauchen und Schwarztee trinken. Wir hatten eine tolle Dynamik in der Gruppe und haben uns gut verstanden. Wahrscheinlich auch weil eine so unbekannte Kultur zusammen schweißt. Oft waren wir auch zusammen in den vielen persischen Restaurants und haben uns in den 6 Wochen einmal durch all die landestypischen Gerichte gegessen. Iran hat eine wirklich sehr gute Küche, jedoch konnte ich nach meiner Rückkehr eine ganze Zeit lang keinen Reis mehr sehen.

Um nun zum Schluss meines Berichts zu kommen. Ich habe leider keine große Bereicherung in Hinsicht auf meine Ausbildung erlebt, jedoch habe ich wahrscheinlich trotzdem die größte Erfahrung meines Lebens gemacht und ein so spannendes Land bereisen dürfen. Ich habe ganz tolle Menschen kennen gelernt, sowohl Studenten aus Europa aber auch iranische Studenten. Viel über dieses Land gelernt und wie kompliziert es sein kann wenn es von einer so strengen Religion beherrscht wird. Was Freiheit wirklich bedeutet und wie glücklich ich mich schätzen kann in Europa zu wohnen. Ich werde auf jeden Fall niemals die Entscheidung bereuen ein Praktikum im Iran mit IAESTE gemacht zu haben.