Iran - Universität Teheran, Abteilung für aquatische Biologie
Den Iran sehen, das hatte ich mir schon länger gewünscht. Als ich dann ein Angebot in Teheran in der Liste von den möglichen IAESTE Praktikumsstellen sah, dachte ich: So eine gute Gelegenheit bekommst du nicht so schnell wieder.
Beworben, zunächst leer ausgegangen, dann zugesagt, abgesagt, wieder zugesagt. Danach unzählige Formulare ausgefüllt, drei mal zur Botschaft, ehe das mit dem Visum erledigt war. Es erinnert an den sprichwörtlichen „Passierschein A38“. Aber einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ich habe während meines Praktikums andere Praktikanten mit wesentlich turbulenteren Visumsgeschichten getroffen – in Iran angekommen sind sie letztendlich alle. Und wenn man auf die Iraner sieht, dann kann man sich eigentlich auch nicht beschweren. Meine Kollegen können selbst zu beruflichen, d.h. wissenschaftlichen Zwecken nicht ohne weiteres nach Deutschland reisen. Mal bekommt man weniger Tage als beantragt, mal klappt es gar nicht.
Aber es wäre falsch ein Bild von nur frustrierten Akademikern zu zeichnen. Generell kann ich die freundliche, energetische und positive Art, die den Iranern nachgesagt wird in vielerlei Hinsicht bestätigen. Fangen wir dazu vielleicht chronologisch an:
Gleich am Flughafen wurde ich mit meinen Vorurteilen konfrontiert. Meine IAESTE-Mentorin, die für mich zuständig ist, holte mich ab. Eine zierliche 21-jährige Studentin. Als männliche Begleitung hat sie ihren Onkel mitgebracht – damit er uns sicher durch das berühmte Teheraner Verkehrschaos bringt, dachte ich mir. Als wir uns dem Auto näherten, stieg sie selbstverständlich auf der Fahrerseite ein und manövrierte uns geschickt zum Studentenwohnheim.
Am nächsten Tag ging es dann gleich zu meiner Arbeit, der Abteilung für aquatische Biologie an der Universität Teheran. Mein Chef begrüßt mich gleich mit Handschlag, eigentlich unüblich zwischen den Geschlechtern in der muslimischen Welt. Aber wie ich später von vielen Iranern (auf deutsch bezeichnet man sie oft auch als Perser) lernen werde, machen junge Leute das sehr wohl auch auf offener Straße. Ab und zu sieht man auch Pärchen Händchen halten und privat erlebt man viele Menschen sehr andres als im öffentlichen Leben.
Meine Arbeit beschäftigte sich mit der Sammlung von kleinen Krebstieren, die mit Shrimps verwandt sind und auch ein bisschen so aussehen – sogenannte Amphipoden. Das Projekt, das ausgeschrieben wurde handelte von einer anderen Art Krebsen, aber der Wechsel stellte sich als äußerst glücklich heraus. Da in dem Projekt möglichst viele Arten aus dem ganzen Iran erfasst werden sollten, hat mich der Professor zu vielen Ausflügen zum Probensammeln mitgenommen. So konnte ich das Alborzgebirge nördlich von Teheran erkunden. Ebenfalls bekam ich so ländliche Regionen des westlichen Zargosgebirges zu sehen. Ansonsten konnte ich sehr selbstbestimmt im Labor arbeiten, dabei wurde mir gleich viel Vertrauen entgegengebracht, den Schlüssel bekam ich sofort. Meine Aufgabe war, gesammelte und in Alkohol konservierte Amphipoden genetisch zu charakterisieren, sodass man bestimmen kann, ob es sich um eine neue oder schon bekannte Art handelt. Auch wenn viele Iraner über die Sanktionen des Westens klagen – am deutlichsten spürt man es im Zahlungsverkehr, da der Iran international nahezu vollständig boykottiert wird – schreitet die Industrialisierung auch hier voran. Das bedeutet oft Verlust der natürlichen Lebensräume für viele Lebewesen, z.B. durch Staudämme oder Tourismus. Mit dem Projekt soll gezeigt werden, welche Folgen das für die Vielfalt vieler Tierarten haben kann.
Mit dem Projekt hatte ich sehr viel Glück, viele der anderen IAESTE PraktikantInnen hatten wesentlich weniger zu tun, durften oft auch nur zusehen. Dafür wartete immer jemand mit Plänen für den Abend auf mich, wenn ich von der Arbeit zurück in unser Studentenwohnheim kam, wo die ganzen anderen Praktikanten oder auch „Interns“ genannt, untergebracht waren, nach Geschlechtern getrennt versteht sich. Aber Abends im „Laleh-Park“ trafen wir dann zum gemeinsamen Grillen mehrere Male in der Woche aufeinander. Und das ist auch einer der besten Erfahrungen: Die Begegnung mit anderen Praktikanten aus aller Welt. Da lernt man viel über Kultur und Mentalität aus Serbien, Polen, Spanien, Österreich, Rumänien, Tunesien, Oman, etc. Die meisten Interns sind aus Deutschland, da mussten wir uns oft erinnern nicht ständig ins Deutsche zurück zu fallen.
IAESTE Iran hat viele Aktivitäten für uns organisiert, das Highlight war ein 5-tägiger Trip ins Zentrum des Landes, inklusive Übernachtung in einem Wüstenhotel, der bezaubernden Stadt Isfahan und der mystischen Wüstenstadt Yazd.
An den anderen Wochenenden bin ich seitdem immer verreist. Das geht im Iran ganz gut, irgendwer hilft immer aus und kennt wen, der wen kennt, wo man bleiben kann. Man muss nur mehrmals täglich erklären, woher man kommt, und wieso man denn ausgerechnet in den Iran reist, denn die Iraner sprechen einen in Orten abseits von der Metropole sehr gerne und sehr oft an. Von „Hello Missy“, über „Welcome to Iran“, bis hin über ein Gespräch über wortwörtlich “Gott und die Welt“ ist alles dabei. Man ist eine Attraktion und die Freude, dass man sich selbst ein Bild vom Land machst, ist groß. Und ja, es ist ungewohnt und unliebsam ein Kopftuch tragen zu müssen, aber wenn es mal vom Kopf rutscht ist da überhaupt kein Drama. In der Wüstensonne haben die Männer freiwillig mitgemacht. Zuletzt bleibst zu sagen, dass sowohl die Natur, als auch die historischen Bauten einfach atemberaubend waren und ich mir wünsche, dass jeder Mensch diese Dinge auch sehen und erleben könnte.
Beworben, zunächst leer ausgegangen, dann zugesagt, abgesagt, wieder zugesagt. Danach unzählige Formulare ausgefüllt, drei mal zur Botschaft, ehe das mit dem Visum erledigt war. Es erinnert an den sprichwörtlichen „Passierschein A38“. Aber einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ich habe während meines Praktikums andere Praktikanten mit wesentlich turbulenteren Visumsgeschichten getroffen – in Iran angekommen sind sie letztendlich alle. Und wenn man auf die Iraner sieht, dann kann man sich eigentlich auch nicht beschweren. Meine Kollegen können selbst zu beruflichen, d.h. wissenschaftlichen Zwecken nicht ohne weiteres nach Deutschland reisen. Mal bekommt man weniger Tage als beantragt, mal klappt es gar nicht.
Aber es wäre falsch ein Bild von nur frustrierten Akademikern zu zeichnen. Generell kann ich die freundliche, energetische und positive Art, die den Iranern nachgesagt wird in vielerlei Hinsicht bestätigen. Fangen wir dazu vielleicht chronologisch an:
Gleich am Flughafen wurde ich mit meinen Vorurteilen konfrontiert. Meine IAESTE-Mentorin, die für mich zuständig ist, holte mich ab. Eine zierliche 21-jährige Studentin. Als männliche Begleitung hat sie ihren Onkel mitgebracht – damit er uns sicher durch das berühmte Teheraner Verkehrschaos bringt, dachte ich mir. Als wir uns dem Auto näherten, stieg sie selbstverständlich auf der Fahrerseite ein und manövrierte uns geschickt zum Studentenwohnheim.
Am nächsten Tag ging es dann gleich zu meiner Arbeit, der Abteilung für aquatische Biologie an der Universität Teheran. Mein Chef begrüßt mich gleich mit Handschlag, eigentlich unüblich zwischen den Geschlechtern in der muslimischen Welt. Aber wie ich später von vielen Iranern (auf deutsch bezeichnet man sie oft auch als Perser) lernen werde, machen junge Leute das sehr wohl auch auf offener Straße. Ab und zu sieht man auch Pärchen Händchen halten und privat erlebt man viele Menschen sehr andres als im öffentlichen Leben.
Meine Arbeit beschäftigte sich mit der Sammlung von kleinen Krebstieren, die mit Shrimps verwandt sind und auch ein bisschen so aussehen – sogenannte Amphipoden. Das Projekt, das ausgeschrieben wurde handelte von einer anderen Art Krebsen, aber der Wechsel stellte sich als äußerst glücklich heraus. Da in dem Projekt möglichst viele Arten aus dem ganzen Iran erfasst werden sollten, hat mich der Professor zu vielen Ausflügen zum Probensammeln mitgenommen. So konnte ich das Alborzgebirge nördlich von Teheran erkunden. Ebenfalls bekam ich so ländliche Regionen des westlichen Zargosgebirges zu sehen. Ansonsten konnte ich sehr selbstbestimmt im Labor arbeiten, dabei wurde mir gleich viel Vertrauen entgegengebracht, den Schlüssel bekam ich sofort. Meine Aufgabe war, gesammelte und in Alkohol konservierte Amphipoden genetisch zu charakterisieren, sodass man bestimmen kann, ob es sich um eine neue oder schon bekannte Art handelt. Auch wenn viele Iraner über die Sanktionen des Westens klagen – am deutlichsten spürt man es im Zahlungsverkehr, da der Iran international nahezu vollständig boykottiert wird – schreitet die Industrialisierung auch hier voran. Das bedeutet oft Verlust der natürlichen Lebensräume für viele Lebewesen, z.B. durch Staudämme oder Tourismus. Mit dem Projekt soll gezeigt werden, welche Folgen das für die Vielfalt vieler Tierarten haben kann.
Mit dem Projekt hatte ich sehr viel Glück, viele der anderen IAESTE PraktikantInnen hatten wesentlich weniger zu tun, durften oft auch nur zusehen. Dafür wartete immer jemand mit Plänen für den Abend auf mich, wenn ich von der Arbeit zurück in unser Studentenwohnheim kam, wo die ganzen anderen Praktikanten oder auch „Interns“ genannt, untergebracht waren, nach Geschlechtern getrennt versteht sich. Aber Abends im „Laleh-Park“ trafen wir dann zum gemeinsamen Grillen mehrere Male in der Woche aufeinander. Und das ist auch einer der besten Erfahrungen: Die Begegnung mit anderen Praktikanten aus aller Welt. Da lernt man viel über Kultur und Mentalität aus Serbien, Polen, Spanien, Österreich, Rumänien, Tunesien, Oman, etc. Die meisten Interns sind aus Deutschland, da mussten wir uns oft erinnern nicht ständig ins Deutsche zurück zu fallen.
IAESTE Iran hat viele Aktivitäten für uns organisiert, das Highlight war ein 5-tägiger Trip ins Zentrum des Landes, inklusive Übernachtung in einem Wüstenhotel, der bezaubernden Stadt Isfahan und der mystischen Wüstenstadt Yazd.
An den anderen Wochenenden bin ich seitdem immer verreist. Das geht im Iran ganz gut, irgendwer hilft immer aus und kennt wen, der wen kennt, wo man bleiben kann. Man muss nur mehrmals täglich erklären, woher man kommt, und wieso man denn ausgerechnet in den Iran reist, denn die Iraner sprechen einen in Orten abseits von der Metropole sehr gerne und sehr oft an. Von „Hello Missy“, über „Welcome to Iran“, bis hin über ein Gespräch über wortwörtlich “Gott und die Welt“ ist alles dabei. Man ist eine Attraktion und die Freude, dass man sich selbst ein Bild vom Land machst, ist groß. Und ja, es ist ungewohnt und unliebsam ein Kopftuch tragen zu müssen, aber wenn es mal vom Kopf rutscht ist da überhaupt kein Drama. In der Wüstensonne haben die Männer freiwillig mitgemacht. Zuletzt bleibst zu sagen, dass sowohl die Natur, als auch die historischen Bauten einfach atemberaubend waren und ich mir wünsche, dass jeder Mensch diese Dinge auch sehen und erleben könnte.