Nigeria - Technology Incubation Centre
Durch IAESTE konnte ich drei wundervolle Monate in Benin City, Nigeria verbringen. Nach der regulären Bewerbung über mein Lokalkomitee musste ich ein wenig warten bis ich alle meine Unterlagen zusammen hatte. Aufgrund dessen bekam ich Unterstützung vom DAAD, um mein Visum rechtzeitig beantragen zu können. Ab da lief alles ohne Probleme. Das Visum wurde mir sogar von der nigerianischen Botschaft am darauf folgenden Tag zugesendet. Bis zu meiner Ankunft in Nigeria hatte ich keinen direkten Kontakt zu meinem Unternehmen. Das war auch nicht so schlimm, da ich spontanerweise den Praktikumsbetrieb bei meiner Ankunft gewechselt habe. Das Krankenhaus, wofür ich mich eigentlich beworben hatte, hat sich vor meiner Ankunft mit der Begründung, dass ich nicht die richtige Ausbildung für ihre Arbeit hätte, um entschieden. Daher bin ich in einen neuen Betrieb gekommen und das war auch zugleich meine erste Erfahrung im Hinblick auf die Planbarkeit in Nigeria. Diese ist manchmal nicht so einfach.
IAESTE Nigeria und Unterkunft
Vor Ort wurde ich sehr gut von IAESTE Nigeria betreut. Ich wurde vom Flughafen abgeholt und für die ersten Tage in einem Hotel untergebracht, da die neue Unterkunft noch nicht fertig renoviert war. Meine Unterkunft für die weiteren Wochen war ein Zwei-Zimmer-Bungalow mit Bett, Schrank, Küche und Bad. Es war simpel, aber ausreichend zum Leben. Das gute war auch, dass meine Unterkunft nicht so weit weg war von meinem Arbeitsplatz. Ich habe ungefähr 30 Min. benötigt, einschließlich des täglichen Benutzens des Öffentlichen Nahverkehrs, welcher mit Deutschland ganz und gar nicht vergleichbar ist und zum Teil auch wirklich sehr amüsant sein kann. Den letzten Monat habe ich das Zimmer mit einer weiteren Praktikantin aus Deutschland geteilt, da sich ihr Betrieb um keine weitere Unterkunft gekümmert hat. Aber auch das war kein Problem für mich. Ein weiterer Vorteil war, dass wir fast durchgängig Strom und Wasser hatten, was in manchen Gegenden von Nigeria nicht so üblich ist. In einigen Teilen hat man manchmal bis zu fünf Tage keinen Strom.
Das Praktikum
Nun zu meinem Praktikum: Ich habe im Technology Incubation Centre (TIC) gearbeitet, welches dem „Federal Ministry of Science and Technology Nigeria“, also der Regierung, untergeordnet ist. Es gibt derzeit 27 Zentren dieser Art in ganz Nigeria, welche alle dasselbe Ziel verfolgen: Junge nigerianische Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen, die vor allem Belange in Nigeria betreffen, zu unterstützen. Dazu gehören zum einen die kostenlose Bereitstellung von Räumen, Wasser und Strom für bis zu drei Jahre, Hilfe bei der Erstellung von bspw. Business-plänen sowie die Weiterentwicklung und das Qualitätsmanagement zur Verbesserung der dortigen Produkte. Nach dem Ablauf der Zeit im TIC bekommen die Unternehmen in Benin weiterhin Unterstützung. Dabei werden diese im nahe liegenden Technology Park, welcher auch dem TIC untersteht, untergebracht.
Das Land
Mehr als die Arbeit hat mich vor allem das Land fasziniert. Wie ihr euch sicher alle vorstellen könnt, unterscheidet sich Afrika total von Deutschland. Ich wurde total herzlich und freundlich von meinen KollegInnen und all denjenigen Menschen, die ich getroffen habe, aufgenommen. Das Wetter, das Essen und vor allem die Menschen und deren Art und Weise zu leben, haben
mich beeindruckt. Benin (obwohl hier mehr als 1 Mio. Menschen leben!) ist verglichen zu größeren Städten wie Lagos ein Dorf. So bekommt man als „Weiße/r“ sehr viel Aufmerksamkeit: Viele wollen einfach mit dir reden und befreundet sein. Es ist auch nicht ungewöhnlich Unbekannte auf der Straße zu grüßen. Leider muss man sich als Frau auch an das nicht schüchterne (und manchmal auch ein wenig sexistische) Verhalten der Männer gewöhnen. Sie können manchmal etwas sehr aufdringlich sein. Doch wenn man konsequent nein sagt, gehen sie auch wieder.
Das Essen
Es ist unglaublich lecker, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat. Die erste Woche war ich total überfordert, was ich hier überhaupt essen kann (oder wer von euch hat schon mal von Egusi oder Okra Soup in Deutschland gehört?). Ich habe mich jedoch schnell an das neue Essen gewöhnt, wobei mir meine Kantinenfrau sehr viel geholfen hat. Und nach ungefähr zwei Wochen hat man sich auch einigermaßen an die Schärfe des Essens gewöhnt.
Die Menschen
Neben dem Essen habe ich vor allem die Menschen genossen. Es war unglaublich, wie freundlich und herzlich mich alle aufgenommen haben - sei es auf Arbeit, in der Bar oder auf der Straße. Am meisten waren alle begeistert, als ich traditionelle Kleider angezogen sowie traditionellen Schmuck getragen habe. Am Anfang hatte ich ein paar Befürchtungen, dass mich viele aufgrund meiner Hautfarbe und der Kolonialgeschichte meiden werden. Ich habe aber gar nichts davon gespürt. Natürlich gab es auch Leute, die mich gefragt haben, ob ich sie nach Deutschland bringen kann oder ob ich ihnen Geld gebe, weil ich weiß bin. Doch das war nur eine Minderheit. Auch meine nicht-religiöse Einstellung hat nicht so viele abgeschreckt, obwohl Nigeria extrem christlich ist. Ich glaube ich war für viele die erste Nichtgläubige, die sie jemals getroffen haben. Und ich glaube außerdem, dass bisher noch nie in meinem Leben so oft für mich gebetet worden ist. :)
Öffentlicher Nahverkehr
Weiterhin erwähnenswert ist auch der öffentlich Nahverkehr. Auf den ersten Blick wirkt er total unorganisiert und chaotisch, doch nach mehrmaligem Benutzen wurde mir klar, dass da ein ganzes System dahinter steckt. Es gibt wenige große Busse, die direkt von der Regierung gestellt werden, wie wir sie aus Deutschland kennen. Größtenteils wird der Transport von privaten PKWs, Miniautos, Motorräder und Kleintransportern (alle mit Lizenzen) bewerkstelligt. Und ratet mal, wie viele Leute in ein 5-Sitzer Auto passen? Bis zu 8! Und wie viele passen in einen 8-Sitzer? Bis zu 11! Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass beleibtere Menschen im öffentlichen Nahverkehr sehr gefürchtet waren :)
Fazit
Allem in allem muss ich sagen, dass ich keinen einzigen Tag meines Praktikums bereue. Vor allem habe ich jeden Tag die Wärme und Herzlichkeit Nigerias genossen. Außerdem ist Benin City ein wirklich ruhiger und friedlicher Ort :) Man kann auch noch im Dunklen rausgehen, ohne dass etwas passiert. Ich habe Freunde fürs Leben gefunden und viel über afrikanisches Denken und deren Kultur gelernt! Ich fand es nur schade, dass mein Praktikumsplatz an manchen Tagen nicht so anspruchsvoll gewesen ist, jedoch waren meine BetreuerInnen stets bemüht das Beste daraus zu machen. Ich kann jeden und jede nur unterstützen und ermutigen, der/die ein Praktikum oder Studium in Afrika -speziell Nigeria- plant. Ihr werdet vielleicht mit eurem Wissen ein klein bisschen Nigeria verändern, doch Nigeria wird euch total verändern ;)