Kenia - Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology
Motivation zum Auslandspraktikum
Auf einer Infoveranstaltung der Organisation IAESTE LC Potsdam war für mich sofort klar, ein Praktikum im Ausland ist in meinen Augen die beste Möglichkeit, nicht nur Berufserfahrungen (wie in nahezu jedem „normalen“ Praktikum im eigenen Land auch), sondern zusätzlich noch unersetzbar tolle interkulturelle Eindrücke zu sammeln und mit ihren Herausforderungen meiner Persönlichkeit eine einzigartige Möglichkeit zu geben, an ihnen zu wachsen. Ich wurde schnell überzeugt dieses Angebot im Rahmen meines Studiums wahrzunehmen und mir somit auch die Chance zu geben, quasi „nebenbei“ meine Englischkenntnisse weiter auszubauen.
Unterkunft und Verpflegung
Während meines Aufenthaltes in Kenia bin ich im Paktikantinnenhaus auf dem bewachten Campus der Universität Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology (JKUAT) untergekommen. Monatlich wurden mir daher6000 KES (Kenianische Schilling) von meinem Gehalt abgezogen.
In dem Haus gab es einen Gemeinschaftsraum mit Sofas, einem Couchtisch und einem Schreibtisch, ein Bad sowie eine Küche mit allem Nötigen wie einem Herd, einem Kühlschrank und einer Mikrowelle. Diese Räume wurden von allen Hausbewohnerinnen gemeinsam genutzt. Zusätzlich gab es noch drei Schlafräume mit jeweils 2 bis 3 Betten. Da während meines Aufenthaltes maximal 2 weitere Praktikantinnen mit mir im Haus gelebt haben, konnte jede von uns ein eigenes Zimmer belegen, welche auch alle abschließbar waren, und somit fehlte es wirklich niemandem an Privatsphäre.
Wenn man mal keine Lust hatte selbst zu kochen, konnten die Angebote auf dem Campus genutzt werden. Es gibt eine Mensa mit sehr günstigen Gerichten und diverse kleinere Cafeterien. Außerdem lässt es sich auch hervorragend in einem der Hotels (kleine Mini-Kantinen-Restaurants), die um den Campus herum zu finden sind, essen.
Praktikum
Das Praktikum habe ich im Food Science Department von JKUAT in Juja (30 km nördlich von Nairobi) absolviert. Hierdurchlief ich während meiner 7 Praktikumswochen verschiedene Stationen. Zu ihnen gehörte die Grillen und Grashüpferfarm, verschiedene Labore (analytisches ~ und mikrobiologisches ~), eine Küche und der Workshop Bereich, indem ich zum Beispiel lernte, wie Joghurt und Säfte hergestellt und haltbar gemacht werden. Außerdem habe ich an den wöchentlichen Meetings meines Praktikumsbetreuers und seiner Studenten teilgenommen und auch selbst einen Abschlussbericht verfasst und vor diesem Publikum vorgestellt.
Meine Arbeitszeiten waren sehr unterschiedlich. Ich hatte Wochen, da bin ich an keinem Tag auf die vollen 8 Stundengekommen und dann hatte ich wiederum Wochen, in denen ich wirklich von früh bis spät im Labor gestanden und Versuche durchgeführt habe. Da es mir aber Spaß gemacht hat und das Arbeitsklima sehr, sehr angenehm war und ich mich unter meinen Mitarbeitern gut aufgehoben gefühlt hatte, machte mir das nicht viel aus.
Insgesamt hatte mein Praktikumsbetreuer einen besonderen Fabel für Insekten. Dadurch hatten auch die Wochen im Labor entfernt etwas mit diesem Thema zu tun und ich habe viel darüber gelernt, wie zukunftsfähig die Zucht von v.a. Grillen als alternatives, proteinreiches Nahrungsmittel für den Menschen ist. Ich durfte auch die in dem Department produzierten Grillen in getrockneter Form und als Zutat in Keksen probieren. Nach anfänglichem Ekel überwog dann aber doch ziemlich schnell die Neugierde deutlich und ich muss zugeben, dass es überhaupt nicht schlimm war und ich der Idee der Insekten als Nahrungsmittel nun absolut nicht mehr abgeneigt gegenüber stehe.
Organisation IAESTE
Zusammenfassend muss ich die sehr gute Betreuung durch IAESTE LC Potsdam loben. Die Mitarbeiter standen mir mit Rat und Tat zur Seite und ich konnte mit jeglichen Problemen auf ein offenes Ohr treffen.
Enttäuscht bin ich dagegen von IAESTE Kenia. Angefangen hat es schon an meinem ersten Tag. Zwar wurde ich erstaunlich reibungslos vom Flughafen abgeholt, obwohl mein Flieger ein paar Stunden Verspätung hatte. Jedoch wartete ich am Samstag vergeblich darauf, dass wie versprochen jemand kommen würde, um mich ein wenig mit der neuen Umgebung und den wichtigsten Orten vertraut zu machen. Angeblich waren die IAESTE Mitglieder davon ausgegangen, dass ich erst am Montag (meinem ersten Praktikumstag) anreisen würde. Auch wenn vor Ort eigentlich fast immer jemand ansprechbar war, fühlte ich mich bei Problemen nicht unterstützt und teilweise sogar hintergangen. Immer wenn ich, oder auch eine der anderen Praktikantinnen das Büro betraten, schauten wir in genervte Gesichter. Bei kleineren Anliegen, wie der Ausstellung eines Nachweisdokuments, dass wir in der Uni beschäftigt sind, mussten wir lange immer wieder nachfragen und es wurden auch keine Ausflüge oder zusätzliche Veranstaltungen vom International Office angeboten oder organisiert, wie es wohl in anderen Ländern teilweise üblich ist. Das größte Problem trat allerdings mit meiner Bezahlung auf. Eigentlich war laut Vertrag angedacht, monatlich in bar bezahlt zu werden, jedoch erhielt ich vor Ort auch nach mehrfachen Nachfragens kein Geld und wurde immer wieder vertröstet,
dass IAESTE Kenia daran nicht schuld sei. Schlussendlich erhielt ich bis zum Abflug (2,5 Wochen nach Beendigung meines Praktikums) nicht einen Schilling und musste hoffen, dass sie ihr Versprechen, mir mein Gehalt plus die Transaction Fee irgendwann zu überweisen, wirklich einhalten würden. Erst nach weiteren 3,5 Wochen erschien eine Summe auf meinem Bankkonto. Allerdings fehlten zum versprochenen Gehalt noch umgerechnet 22,50. Auf Nachfragen weshalb, wurde erst unhöflich reagiert und mir dann versichert, dass das so schon stimmen müsste. Ich habe dann irgendwann aufgegeben, mir meine zustehenden 22,50. zu erkämpfen. Schade, dass das jetzt am Ende meine schöne Zeit in Kenia überschatten musste.
Freizeit und Unternehmungen
Da von IAESTE Kenia keine Ausflugstipps gegeben oder gar was organisiert wurde, war ich sehr froh, schnell liebe kenianische Freunde gefunden zu haben, die sich bereitwillig mit mir und auch den anderen Praktikantinnen auf Abenteuerreise begeben haben. Ich glaube, ohne diese lieben Menschen wäre meine Zeit in Kenia nicht mal halb so schön geworden. Wir unternahmen viele Wochenendausflüge, zum Beispiel in den Ambrosia Nationalpark oder zum Lake Naivasha mit Abstecher zum Hell’s Gate Nationalpark sowie Mount Longonot (einem ehemaligen Vulkankrater), aber auch ein Besuch des Museums Bomas of Kenya oder des Elefantenwaisenhauses Sheldrick Wildlife Trust in der Hauptstadt Nairobi konnten mit ihnen möglich gemacht werden. Eines meiner persönlichen Highlights war die Einladung zu einer kenianischen Hochzeit einer Studentin aus meinem Praktikumsbereich. Nach Beendigung meines Praktikums begleitete mich außerdem ein Kenianer während meiner Urlaubsreise zur Küste und auf den dritthöchsten Gipfel (4985m ü.N.N.) des Mount Kenya.
Unter der Woche fielen die Ausflüge natürlich eher selten und klein aus, aber es reichte immerhin für einen Kinobesuch oder eine Fahrradtour. Ab und an kochten wir auch einfach zusammen, spielten Würfel oder Brettspiele oder machten einen gemütlichen Filmeabend. Es wurde uns nie wirklich langweilig.
Fazit
Ich bin mit meiner Zeit in Kenia mehr als zufrieden. Es hat sich in meinen Augen wirklich sehr, sehr gelohnt diese Erfahrung mitzunehmen und ich kann es nicht oft genug sagen, dass jeder, der die Möglichkeit zu so einem Abenteuer hat, diese wirklich wahrnehmen sollte. Ich habe viel gelernt, super tolle Menschen getroffen, schöne Ausflüge unternommen und wäre sogar gern noch länger geblieben als es mir möglich war. Nur schade ist es, dass dieses bis dahin wundervolle Erlebnis am Ende ein wenig durch die unangebrachte Verhaltensweise von IAESTE Kenia überschattet worden war. Doch zum Glück habe ich ein paar super liebe, tolle Locals kennengelernt, die mir aufopferungswürdig bei all meinen kleineren und größeren Problemen geholfen und mir gezeigt haben, wie ich mich in ihrem Land am besten zurechtfinde. Ich bin ihnen sehr dankbar für eine grandiose Zeit und freue mich, dass sich daraus ein paar sehr enge Freundschaften entwickelt haben.