Ghana - Kwame Nkrumah University of Science im Food Science Department in Kumasi
Mein zweimonatiges Praktikum habe ich an der Kwame Nkrumah University of Science im Food Science Department in Kumasi absolviert. Es war eine aufregende und abenteuerliche Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann, um über sich selbst hinauszuwachsen und eine fremde Kultur auf bestem Wege kennenzulernen. Obwohl ich oft Gedanken wie „Was mache ich hier eigentlich?“ hatte, war es eine wahnsinnig schöne Zeit und ich habe Freundschaften fürs Leben geschlossen.
Wer nach Kumasi will, landet mit dem Flugzeug zunächst in Ghanas Hauptstadt Accra. Dort kam auch ich erschöpft abends an und machte eine negative erste Erfahrung. Ich suchte vergeblich nach jemandem, der mich wie vorher abgemacht vom Flughafen abholen sollte. Es dauerte jedoch nicht lange bis zwei „Polizisten“ mir ihre Hilfe anboten und mich telefonieren ließen. Nach dem Telefonat fragten sie mich nach Geld. Da ich noch keine Cedi bei mir hatte, bot ich Ihnen ein paar Euro an, was ihnen aber zu wenig war. Sie hatten es auf den 10-Euro-Schein in meinem Portemonnaie abgesehen. Nach langer Diskussion gaben sie sich mit 5 Euro zufrieden. Meine erste Lektion war also: als Weißer („Obruni“) gilt man hier als reich. Es kam oft vor, dass Leute mich nach Geld fragten oder versuchten, mich über den Tisch zu ziehen.
Nach ca. einer Stunde kam dann auch Beatrice von IAESTE um mich abzuholen. Ich durfte meine erste Nacht in Ghana bei Beatrice verbringen, bei der die Praktikanten aus Accra unterkamen. Ich wurde herzlich aufgenommen, mir wurde die Kunst des Wassertrinkens beigebracht (man saugt es aus einem 500 mL Plastikbeutel) und es wurde mit Adonko angestoßen (ein gewöhnungsbedürftiges alkoholisches Getränk in einer Plastikflasche, das an Jägermeister erinnert). Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Bus nach Kumasi. Als besonders anstrengend empfand ich die extreme Geräuschkulisse. Auf den Straßen sah und hörte ich viele Prediger, die durch Lautsprecher schrien (Ghana ist stark christlich geprägt). Im Bus lief auf höchster Lautstärke eine ghanaische Telenovela auf der Landessprache Twi, die den anderen Businsassen größte Freude bereitete.
In Kumasi angekommen lernte ich schnell, meine Hygienestandards runterzuschrauben – Kakerlaken und Ringelwürmer im Zimmer waren keine Seltenheit. Auch meine Privatsphäre gab ich komplett auf, denn ab jetzt teilte ich mir ein Zimmer mit zwei Jungs vom lokalen IAESTE-Komitee, die sich aber rührend um uns Praktikanten kümmerten und tolle Wochenendtrips organisierten. Es wurden häufig Parties im Zimmer veranstaltet, weswegen ich gerade in den ersten Tagen nie mehr als drei Stunden Schlaf bekam. Die zwei wichtigsten Utensilien für mich waren also Ohropax und Desinfektionsmittel. Auch ein eigenes Moskitonetz ist empfehlenswert. Im Wohnheim gab es zwar Moskitonetze, diese hatten aber teilweise Löcher und so kam es doch zur ein oder anderen schlaflosen Nacht. Obwohl ich täglich Malariaprophylaxe (Atovaquon) eingenommen hatte, bekam ich schließlich Malaria. In einem Labor am Campus machte ich einen Test und holte mir anschließend Medikamente in der Apotheke. Die Jungs von IAESTE und mein Arbeitskollege kümmerten sich um mich und brachten mir Essen und Trinken ans Bett. Nach drei Tagen Bettruhe mit grippeähnlichen Symptomen ging es mir wieder super und ich konnte wieder arbeiten gehen.
Ich verbrachte die ersten zwei Wochen auf der Arbeit in einem Lebensmittel-Analytik Labor und die restliche Zeit in einem Mykotoxin-Labor. Viel Arbeit gab es jedoch nie bzw. fehlten oft Chemikalien und somit konnte nicht gearbeitet werden. Jetzt wusste ich auch, warum damals in den Anforderungen des Jobangebots „creative and curious“ stand – wenn Utensilien fehlten musste man kreativ werden. Das Arbeitsklima war trotzdessen super. Mit meinen Kollegen sowie meinem Chef William hatte ich ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Redeemer, einer meiner Kollegen, begleitete mich sogar am Tag meines Abflugs nach Accra und nahm mich mit zu seiner Familie. Dort guckten wir uns Filme an und ich wurde mit dem besten Jollof rice, den ich in Ghana je gegessen hatte, bekocht und schließlich zum Flughafen gebracht. Das Essen in Ghana ist sehr kohlenhydratreich und vieles wird frittiert. So ist zum Beispiel Reis mit Spaghetti keine außergewöhnliche Kombination und auf Salat gehören immer Ketchup und Mayonnaise. Als ich ging war ich somit nicht nur um viele Erfahrungen sondern auch um ein paar Kilos reicher.